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jedes andere edle Gefuͤhl. So lange ſittliche Rohheit noch herrſcht, verſtummt die ſanfte edle Stimme der Schoͤnheit vor dem betaͤubenden Geſchrei wilder 25 fecten und Leidenſchaften.
Der Geſchmack wird nun gebildet:
1) Mittelbar durch einen bedeutenden Grad intellectueller und ſittlicher Bildung, wie ſich aus dem Vorhergehenden ergibt. Erſt durch den Tempel der Wahrheit und Tugend gelangt man zu den Hallen des Tempels der Schoͤnheit.
2 Durch einen zweckmaͤßigen Unterricht uͤber Schoͤnheit, Erhabenheit und Geſchmack, wodurch das Weſen dieſer Gegenſtaͤnde richtig erkannt, und das Schoͤne und Erhabene von den uͤbrigen Arten des Wohlgefaͤlligen unterſchieden, und in ſeiner unuͤbertrefflichen edlen Einfalt und Hohheit dargeſtellt wird.
3) Durch das haͤufige Hinweiſen auf das Schoͤne und Erhabene in Kunſt und Natur, wodurch die Geſchmacksanlagen entwickelt und geſtaͤrkt, und der Geſchmack gelaͤutert und fertig wird. So reiſet mancher angehende Kuͤnſtler nach Italien, ſowohl um an den Schoͤnheiten der dortigen Natur, als an den unuͤbertroffenen Kunſtgebilden daſelbſt ſeinen Geſchmack zu bilden.
0 Durch Erlernung einer ſchoͤnen Kunſt oder mehrerer ſchoͤnen Kuͤnſte, z. B. der Muſik, der Zeichenkunſt ꝛc. Denn da alle ſchoͤne Kuͤnſte in enger Verbindung ſtehen, und Vieles mit einander gemein haben; ſo wird durch die Erlernung einer die Einſicht in alle, der Geſchmack und der Kunſtſinn befoͤrdert.
5) Endlich durch ſchoͤne Umgebungen, beſonders in den Wohnungen, in denen wir waͤhrend der Bildungszeit laͤnger verweilen. Sind darin die Zim⸗ mer hell und reinlich; herrſchet edle Einfalt in Kleidung und Geraͤthe; ſind fi e der Sitz der Maͤßigkeit und Heiterkeit; und wird darin der Anblick des Schoͤ⸗ nen und Erhabenen, als Hauptvergnuͤgen betrachtet und haͤufig geſucht: ſo wird ſich das Schoͤnheitsgefuͤhl kraͤftig entwickeln, und zur ſchoͤnen aͤsthetiſchen Bildung erbluͤhen.


