eine etwas ausgedehnte Erwaͤhnung.— Von jedem beſonnenen Urtheile koͤnnen wir entweder die Gruͤnde angeben oder nicht. Im erſten Falle heißt das Ur⸗ theil mittelbar oder Schluß, und im zweiten unmittelbar oder Gefuͤhl. So iſt das Urtheil eines Kenners unſerer Geſchichte» Heinrich I. war ein vortreffli⸗ cher Koͤnig« mittelbar, weil jener ſich des vielen Guten bewußt iſt, das dieſer edle Herrſcher fuͤr Deutſchlands Wohlfahrt that. Das Urtheil aber eines we⸗ nig Gebildeten»Eide ſind gewiſſenhaft zu halten« wuͤrde unmittelbar heißen, wenn derſelbe keine Gruͤnde anzugeben wuͤßte, aber doch zu dieſem Ausſpruche von ſeinem Gewiſſen genoͤthigt wuͤrde.— Jeder Denker wird bei einiger Auf⸗ merkſamkeit auf ſeine Urtheile finden, daß dieſelben bald mittelbar, bald un⸗ mittelbar ſind, und daß er ſich bei der Rechtfertigung uͤber die letzten auf ſein Gefuͤhl beruft. Da wir von den mittelbaren Urtheilen die Gruͤnde wiſſen, ſo laſſen ſich dieſelben auch fuͤr Andere begruͤnden. Von den unmittelbaren Ur⸗ theilen aber gibt es keine Begruͤndung fuͤr Andere, davon uͤberzeugt nur den Urtheiler der eigene Geiſt. Viele, Anfangs unmittelbare Urtheile werden her⸗ nach durch Auffindung der Gruͤnde mittelbar; allein viele derſelben bleiben auch ihrer Natur nach immer unmittelbar oder Gefuͤhle. So kann das Urtheil des wenig Gebildeten uͤber die Heiligkeit der Eide Anfangs unmittelbar ſeyn, aber nachher durch weitere Fortbildung des Urtheilers mittelbar werden. Die Urtheile uͤber das Schoͤne und Erhabene aber bleiben immer unmittelbar; denn davon gibt es keine Begruͤndung fuͤr Andere. Das Gefuͤhl iſt nun unmittel⸗ bare Urtheilskraft, und heißt, wenn es ohne Gruͤnde angeben zu koͤnnen, ur⸗ theilt: uͤber Wahrheit und Falſchheit— Wahrheitsgefuͤhl; uͤber das Gute und Boͤſe— Sittlichkeitsgefuͤhl; und uͤber das Wohlgefaͤllige und Mißfaͤllige— Luſtgefuͤhl. Vermoͤge des Luſtgefuͤhls legen wir nun einigen Dingen unmittel⸗ bar einen Werth bei, andere ſprechen wir denſelben ab, und fuͤhlen darnach Luſt oder Unluſt, Wohlgefallen oder Mißfallen daran. Zu dem Wohlgefaͤlligen gehoͤrt nun:
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