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ten ſinnlichen Genuͤſſen, und durch oͤftere freiwillige Enthaltſamkeit von denſel⸗ ben; durch ſorgſame Vermeidung ſtarker Anreizungen, beſonders boͤſer Beiſpiele und zuchtloſer Lectuͤre; durch Abhaltung der Einbildungskraft von unreinen, un⸗ ſittlichen Bildern; durch die groͤßtmoͤglichſte Einfachheit in Speiſe, Kleidung und Geraͤthe; und endlich durch wiederholte Vorſtellungen von den erniedri⸗ genden, zerſtoͤrenden Folgen eines bloß ſinnlichen oder thieriſchen Lebens.
Der ſittliche Trieb wird entwickelt und geſtaͤrkt: durch einen zweckmaͤßigen, dem Kulturgrade angemeſſenen Religionsunterricht, der die heiligen Wahrheiten zum klaren Bewußtſeyn und zur unumſtoͤßlichen Gewißheit bringt, und die er⸗ habene Beſtimmung des Menſchen im ungetruͤbten Lichte zeigt; durch oͤftere Betrachtung der unuͤbertrefflichen Schoͤnheit der Tugend, und der erhebenden Beiſpiele frommer Menſchen; durch die wiederholte Erwaͤgung, daß nur Tu⸗ gend bleibende Ehre bringe, daß ſie allein im Gluͤcke Maͤßigung und im Un⸗ glücke beharrlichen Muth und erhebende Kraft verleihe, daß ſie nur ſichere Freundſchaften knuͤpfe zur Stuͤtze und Zierde des menſchlichen Lebens, daß ſie uns endlich in der letzten Stunde, wo uns alles Irdiſche verlaͤßt, allein durch die unbekannte Pforte des Todes begleite vor den allgewaltigen— doch auch allerbarmenden Richter; endlich durch oͤſteres Beten und Beſuchen des oͤffent⸗ lichen Gottesdienſtes, wodurch die heiligen Wahrheiten immer beſſer erkannt, und lebendig und wirkſam erhalten werden. Es iſt naͤmlich die Tugend die ewig⸗ſchoͤne Bluͤthe der heiligen Religion, und kein Menſch beſſibt jene, der dieſe nicht hat.
Wird nun aber der ſittliche Trieb geſchwaͤcht, und der ſinnliche geſtaͤrkt, ſo wird jener dieſem untergeordnet, und der Menſch ſtrebt, der Selbſtliebe ge⸗ maͤß, nur nach Irdiſchem, und ſein Leben wird ehrlos, haͤßlich, ſuͤndhaft und ungluͤcklich. Die ungewoͤhnlich haͤufigen Klagen über auffallende Verſchlechte⸗ rung der jetzigen Menſchen ſcheinen nun eine ſolche verkehrte Unterordnung beider Triebe zu beurkunden. Da nun nach meiner Anſicht vorzuͤglich die vie⸗


