Aufsatz 
Über die Bildung des Menschen / von Wilhelm Frorath
Entstehung
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Schule Gymnaſtik zu treiben, weil bei den vielen und großen Forderungen die Jugend taͤglich viele Stunden in nachtheiliger Haltung die Schule beſucht, und auch außer derſelben faſt noch meiſtens gekruͤmmt am Arbeitstiſche ſitzt, nicht ſelten in niederen, dunkeln und unreinen Kammern. Dadurch wird dann dem Schuͤler der Genuß der ſtaͤrkenden freien Luft, und die ſo foͤrdernde Bewegung und Uebung im Freien faſt ganz unmoͤglich gemacht; die Entwickelung und Kraͤftigung ſeines Koͤrpers und der Sinne geſtoͤrt, und der Grund zum lebens⸗ laͤnglichen Siechthume und zur fruͤhen Stumpfheit der Sinne gelegt. Dieſes bezeugen die haͤufigen Klagen uͤber die Schwaͤche und Kraͤnklichkeit der meiſten fleißigen Schuͤler, und vor Allem der Anblick derſelben. Iſt auch die Brille bei manchem Juͤnglinge nur Mode und Schmuck, ſo iſt ſie doch fuͤr viele auch wahres Beduͤrfniß. Man waͤhne ja nicht, daß taͤgliche Uebung im Freien die Lernzeit zum Nachtheile verkuͤrze; und daß die Einfuͤhrung derſelben unter der Leitung eines Lehrers, die ſchon betraͤchtlichen Koſten der Schule bedeutend vermehre. Denn wird dem Unterrichte auch dadurch taͤglich eine Stunde entzogen, ſo erſetzt dieſen ſcheinbaren Verluſt doch reichlich die feſtere Geſund⸗ heit und die groͤßere Staͤrke des Leibes, wobei der Geiſt in wenigen Stunden mehr zu leiſten vermag, als bei Kraͤnklichkeit und Schwaͤche in vielen. Die dadurch erhoͤhten Koſten betreffend ſei hier Folgendes bemerkt:

1) Wuͤrde durch Einfuͤhrung der Gymnaſtik der Grund zu dem ſo koſtſpie⸗ ligen, nicht ſelten verderblichen Privatunterrichte in den Lehrgegenſtaͤnden der Schule gehoben. Denn wird auch derſelbe bisweilen geſucht, um die Gunſt eines Lehrers zu gewinnen, ſo geſchieht es doch bei weitem viel haͤufiger, um die Schuͤler in freien Stunden nuͤtzlich zu beſchaͤftigen, und vom Boͤſen abzu⸗ halten; ja auch nicht ſelten, um ſich im eigenen Hauſe vor der ruͤhrigen Ju⸗ gend Ruhe zu verſchaffen. Die taͤglichen Ausgaͤnge und Uebungen der Schuͤ⸗ ler unter der Aufſicht eines Lehrers beſeitigen nun die Gruͤnde zum Privatun⸗ terrichte und damit zu bedeutenden nutzloſen Koſten. Gerne wuͤrden dafuͤr die