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mit den Jahren verſtaͤrkt. Wird es mit ſteter Sorgfalt und ohne weichliche Nachſicht zur Thaͤtigkeit, zur Ordnung, zur Maͤßigkeit, zur Einfachheit, zur Beſcheidenheit— angehalten; ſo wird es in dieſen Tugenden ſchoͤne Fort— ſchritte machen. Wird ihm die Achtung anderer Menſchen, beſonders Ehr⸗ furcht vor Alter und Stand, Gerechtigkeit, Gefaͤlligkeit, Dankbarkeit, Hoͤf— lichkeit, Vertraͤglichkeit— als unerlaͤßliche Pflicht empfohlen, und es zur beſtaͤndigen Uebung derſelben vermocht; ſo wird es einen erfreulichen An— fang in dieſen geſelligen Tugenden machen. Wird endlich die Ueberzeugung vom Daſein eines allguͤtigen Vaters, von der Freiheit und Unſterblichkeit der menſchlichen Seele, von einem unwandelbaren heiligen Geſetze fuͤr Ge— ſinnung und That im Herzen des Menſchen, und von den beſeligenden Leh— ren der goͤttlichen Offenbarung zweckmaͤßig in ihm entwickelt, und durch Ge— bet und fromme Betrachtungen genaͤhrt, lebendig erhalten und geſtaͤrkt, und wird es immer mit hohem Ernſte angetrieben, ſein Leben dieſen heiligen Wahrheiten gemaͤß zu geſtalten; ſo wird auch die himmliſche Froͤmmigkeit in ſeinem zarten Herzen Wurzel ſchlagen.— Alle dieſe Tugenden werden naͤmlich durch ihre haͤufige Uebung im Kinde ſchon zur ſchwachen Gewohn— heit, ¼) machen es zum guten Kinde, zum gluͤcklichen Familiengliede, zur Wonne der Eltern, und oͤffnen ihm eine heitere Ausſicht in eine froͤhliche Zukunft.
Tritt nun das ſo gebildete Kind in der zweiten Periode des Lebens in eine tuͤchtige Schule, die den ganzen Menſchen umfaßt, dabei aber doch Bildung des Herzens als das Hoͤchſte betrachtet, ſo uͤbernimmt ſie auch ganz die Stelle der Eltern, oder wirkt doch im Geiſte derſelben fort, obgleich ſie
) Ta der dud oœrrovres dieαde⸗ ouedd; ra Ss ‿φαονσα συυσςαςοονες, z 9*e⁶⁵εα, de⁶⁵ςεο Arist. Ethic. Nicom. II, 1.


