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Aeußerung gedaͤchtnißmaͤßig. Noch muß hier das unmittelbare Bewußt⸗ ſein von dem mittelbaren nnterſchieden werden. Man hat ein unmittelbares Bewußtſein von einer Sache, wenn man ſich ihrer ſelbſt jetzt bewußt iſt, und ſie nennen kann. Man hat ein mittelbares Bewußtſein von einer Sache, wenn man ſich ihrer ſelbſt nicht jetzt bewußt iſt, ſondern nur aus Umſtaͤnden weiß, daß ſich dieſelbe in unſrem Bewußtſein befindet.— Kommen zu einer Aeußerung, z. B. zum Namen eines Mannes, deſſen ich mir jetzt unmittel— bar bewußt bin, immer andere Aeußerungen hinzu; ſo theilt ſich das Be⸗ wußtſein unter dieſelben, und wird dadurch fuͤr die einzelne geſchwaͤcht«⸗) ſo daß dieſe endlich aus dem unmittelbaren Bewußtſein verſchwindet, was man vergeſſen nennt. Vergeſſene Aeußerungen bleiben indeſſen nicht im— mer vergeſſen, ſondern kommen zur andern Zeit wieder zum unmittelbaren Bewußtſein, was ſich erinnern heißt. Waren naͤmlich Aeußerungen zu derſelben Zeit oder kurz nach einander im Geiſte; ſo machen ſie einen gan— zen zuſammenhaͤngenden Geiſteszuſtand aus. Kommt nun eine davon, auf was immer fuͤr einem Wege, wieder zum unmittelbaren Bewußtſein; ſo er⸗ hellet ſie alle fruͤher mit ihr verbundenen, ſo daß wir uns derſelben auch⸗ wieder erinnern. So ruft mir der Anblick der Stelle, an der ich einſt von einem nun verſtorbenen theuern Verwandten zum letzten Male Abſchied nahm, den ganzen Auftritt mit allen Umſtaͤnden wieder ins Andenken zuruͤck. Nicht alle vergeſſene Aeußerungen werden gleich leicht wieder zum un— mittelbaren Bewußtſeyn gebracht, wie Jeden die eigene Erfahrung lehrt. Je enger naͤmlich Aeußerungen durch Ort, Zeit und oͤftere Wiederholung ver⸗ bunden ſind; je groͤßere Aehnlichkeit, Klarheit und Wichtigkeit dieſelben ha— ben; je mehr Muͤhe ihre Einſicht und Erwerbung koſtete; und je uͤbereinſtim⸗
a) Pluribus intentus minor est ad singula sensus.


