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der Gewohnheit uͤberhaupt; 2. von dem Gehorſame, als der Quelle der gu⸗ ten Gewohnheiten; 3. von dem Ungehorſame, als der Quelle der boͤſen Ge⸗ wohnheiten; 4. ſoll eine Auffoderung an Eltern, Lehrer und Schuͤler, als
Reſultat, den Verſuch ſchließen.
I. Von der Gewohnheit überhaupt.
Der menſchliche Geiſt, erhaben uͤber Raum und Zeit, entzieht ſich unſrem unmittelbaren Blicke, doch kuͤndigt er ſich durch ſeine Aeußerungen uͤberzeu⸗ gend an, und wird dadurch von uns mittelbar erkannt. Alle Aeußerungen des Geiſtes aber werden unter folgende drei Klaſſen gebracht: unter Erken⸗ nen, Lieben und Handeln, und darnach dem Geiſte ſelbſt verſchiedene Na— men gegeben; denn als erkennend heißt er Kopf, als liebend Herz, und als handelnd Wille. Aber auch in jeder von diefen drei Grundanlagen des Gei⸗ ſtes, dem Kopfe, dem Herzen, dem Willen, werden wieder drei weſentlich verſchiedene Stufen unterſchieden, die der Sinnlichkeit, der Gewohnheit, des Verſtandes; denn Sinnlichkeit, Gewohnheit und Verſtand bezeichnen eben ſo wohl die Hauptſtufen der Bildung des Herzens und Willens, als des Kop— ſes. Mit der Sinnlichkeit beginnt unſer geiſtiges Leben; denn dadurch wer— den uns die erſten Eindruͤcke zum Erkennen, zum Lieben und Handeln gege⸗ ben, und damit die Anlaͤſſe zur weitern Entwickelung derſelben. Unſer er⸗ ſtes Erkenneu iſt ſinnlich, wie unſer erſtes Lieben, unſer erſtes Thun.
Gehabte menſchliche Aeußerungen ſchwinden nach Entfernung ihrer Ver⸗ anlaſſung nicht aus dem Geiſte, wie etwa das Bild vom Spiegel verſchwin⸗ det nach Entruͤckung des vorgehaltenen Gegenſtandes, ſondern ſie dauern im Geiſte noch fort, wie Jeden die eigene Beobachtung lehrt. Die Anlage nun, gehabte Aeußerungen ſo aufzubewahren, daß wir uns derſelben nachher wie— der zu erinnern vermoͤgen, heißt Gedaͤchtniß, und jede ſo aufbewahrte


