Ueber
die Macht der Gewohnheit auf die Geſtaltung des menſchlichen Lebens.
Geoß iſt die Macht der Gewohnheit auf die Geſtaltung des menſchlichen Lebens, wie Jedem Geſchichte und eigene Erfahrung beweiſt. Sie macht den Menſchen thaͤtig, aber auch traͤg; ordentlich, aber auch unordentlich; weichlich, aber auch abgehaͤrtet; fromm und gut, aber nicht ſelten auch gott— los und boͤſe; ſie gibt ihm feinen Anſtand, aber eben ſo oft auch haͤßliche Unanſtaͤndigkeit; ſie macht das Schwere leicht und das Widrige ertraͤglich, benimmt aber auch dem Falſchen, Haͤßlichen und Boͤſen nicht ſelten alles Ab⸗ ſtoßende, und verleiht ihm noch truͤgeriſche Reize; ſie ſchafft dem Menſchen tauſend Beduͤrfniſſe, lehrt ihn aber auch, ſich mit Wenigem begnuͤgen; kurz ſie macht den Menſchen zu dem, wie er im Leben erſcheint.»Gewohnheit lehrt uns die ſchaͤdliche Lebensweiſe ſo leicht, als die taugliche, fuͤhrt uns zum Laſter, wie zur Tugend.«(Fries Lehren der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung.) Mit Recht wird daher die forgfaͤltigſte Beachtuug der Ge⸗ wohnheit bei der Erziehung empfohlen, und ſogar erziehen gewoͤhnen, und verziehen verwoͤhnen genannt.— Nach dieſer Betrachtung ſchien mir eine naͤhere Erwaͤgung der Gewohnheit allgemein wichtig, und daher geeignet zum Gegenſtande eines Programms. Mein Verſuch ſoll nun handeln: 1. von


