Aufsatz 
Über die Entartung der Jugend in der neueren Zeit
Entstehung
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Run verdraͤngte Ueppigkeit und Genußſucht Genuͤgſamkeit und Maͤßig⸗ keit. Beſcheidenheit wich der Anmaßung, Wahrhaftigkeit der Luͤge, Sitt⸗ ſamkeit der Schamloſigkeit, Treue der raffinirten Klugheit, Froͤmmigkeit dem Unglauben, Tugend dem Laſter Anfangs ſeltener, nachher immer haͤufi⸗ ger. Man kannte endlich keine Maͤßigkeit mehr. Was der Genußſucht und Leidenſchaft im Wege ſtand, wurde unter dem Namen des Aberglaubens oder eines veralteten, ſchaͤndenden Inſtituts erſt laͤcherlich gemacht, dann gebrand⸗ markt und aufgehoben. Das Wohl der Familien wurde vernichtet, die Al⸗ taͤre zertruͤmmert, Thronen umgeſtoßen, und ein entmenſchter National⸗ Convent dictirte: es gebe keinen Gott.

Haben nun auch Viele waͤhrend dieſer Zeit der Irreligioſitaͤt und Unſitt⸗ lichkeit den Glauben und die Tugend rein bewahrt; ſo hat ſich doch leider! im Ganzen eine gewiſſe Gleichguͤltigkeit gegen alles Ehrwuͤrdige und Heilige, gegen Religion und Tugend, und damit gegen Kirche und Staat bis in die niedrigſten Huͤtten verbreitet. Nun wurde die weiche Seele des Kindleins von vielen Eltern nicht mehr mit Sorgfalt vor den verderblichen Eindruͤcken des Laſters bewahrt; nicht mehr der zarte Menſchenkeim mit beſorgter Liebe durch fromme Worte und Beiſpiele gewartet. Der fromme Kinderglaube, dieſer heilige Stellvertreter der noch unentwickelten Vernunft, erſtummte vor der wilden Stimme unnatuͤrlich aufgeregter. und gepflegter Begierden. So wurden viele Kinder unmaͤßig, prachtliebend, anmaßend, luͤgenhaft und gottlos, weil viele Eltern es waren. Kam aber auch die Jugend rein und fromm aus dem Kreiſe edler Eltern und Verwandten; ſo haben oft ver⸗ irrte Lehrer der Schule und Kirche, wenn auch nicht immer durch gerade Worte, doch durch Geringſchaͤtzung und Verſpottung des bisher fuͤr ehrwuͤr⸗ dig und heilig gehaltenen, und durch ihr verderbliches Beiſpiel den Glauben und die Tugend derſelben untergraben. Hatten aber auch fromme und tu⸗