Aufsatz 
Über die Entartung der Jugend in der neueren Zeit
Entstehung
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Geſinnungen und Gefuͤhlen geſchmuͤckt. Aberglaube und Unduldſamkeit ſchwan⸗ den, und die Ehrfurcht vor allem Ehrwuͤrdigen und Heiligen blieb; denn noch galten Kenntniſſe ohne dieſe Ehrfurcht als ſcheusliche Mißgeburt menſch⸗ licher Bildung.

Die nun einmal mit Liebe und Eifer begonnene Kopfbildung brachte im⸗ mer groͤßere Naturkenntniß und damit immer neuen Reiz zu ihrer Vermeh⸗ rung, wei ſie zu den Geſchaͤften des Lebeus brauchbarer machte und dadurch Vortheil und Anſehn brachte. Nun wurde der unendliche Werth der Her⸗ zensbildung von Vielen uͤberſehen, weil ihr dieſer Reiz der Neuheit und dieſe Ausſicht auf nahen irdiſchen Gewinn fehlte, vielleicht auch, weil man nicht dem Bildungsgrade gemaͤß dabei verfuhr! So wurde Herzensbildung immer mehr verdraͤngt und zur Nebenſache gemacht. Zuletzt galt Vielen Ver ſtandesſchaͤrfe und Naturkenntniß als einziges Ziel aller menſchlichen Bil dung, und Naturbeobachtung mit den daraus gezogenen Schluͤſſen als ein⸗ zige ſichere Quelle der Wahrheit. So trat der einſeitige, oberflaͤchliche, rohe Empirismus hervor d. h. die Lehre, daß alle Erkenntniß des Menſchen aus Erfahrung entſpringe. Die Erfahrung, aufs Endliche beſchraͤnkt, zeigt uns nun weder etwas Freies und Unſterbliches, wie die Seelen der Menſchen doch ſind, noch eine abſolute ewige Urſache, wie die Gottheit iſt, noch ein von der Natur unabhaͤngiges heiliges unwandelbares Geſetz fuͤr Geſinnung und That, in deſſen Befolgung allein die Tugend beſteht. Bei dem durch⸗ gefuͤhrten Empirismus mußte daher der Glaube an Gott, Unſterblichkeit und Tugend nicht nur geſchwaͤcht, ſondern gar vernichtet werden, und der unſe lige Materialismus, Atheismus und Indifferentismus entſtehen, und damit alle Gruͤnde zum ſittlich religioͤſen Leben bei den Empiriſten verſchwinden.

Freilich iſt nun der Empirismus auf immer fuͤr Alle widerlegt, welche

ernſtlich Belehrung verlangen. Denn da nach(I. 1.) Erfahrung nie abſolut 3