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und Aberglaube in etwas ihr ſchoͤnes Bild, ſo blieb ihr doch der herrliche Kranz der genannten Tugenden. Und gab es auch damals entartete Toͤchter und Soͤhne, weil es entartete Eltern, Lehrer, Schriftſteller und Ungeber der Jugend gab; ſo war doch ihre Zahl gegen die Guten und Vortrefflichen nur klein.
Dieſe ſchoͤne Jugendbildung haben noch viele jetzt lebende Menſchen ge⸗ noſſen, und beſtaͤtigen durch Genuͤgſamkeit, Beſcheidenheit, Anſtand, Froͤm⸗ migkeit, Tugend und Froͤhlichkeit— die Wahrheit des entworfenen Bildes.
IV. Die neuere Erziehung.
Als im Laufe der Zeiten geregeltere Staatsverhaͤltniſſe den ſichern Ver⸗ kehr der Nationen und den Handel erzeugten, und der Handel den Wohl⸗ ſtand, und der Wohlſtand die Volksmenge und die Beduͤrfniſſe vermehrte: ſo erhob ſich allmaͤhlich Verſtandesbildung als ſicheres Mittel zur Befriedi⸗ gung der neu herbei gefuͤhrten Noth. Auch der durch neue unentbehrliche Einrichtungen noͤthig gewordene groͤßere Staatsaufwand foderte geſchicktere Haͤnde zur ſichern Gewinnung deſſelben. Dann ließen aber auch die durch Kopfbildung errungene groͤßere Verſtandesſchaͤrfe und Naturkenntniß das Ruͤtzliche und Schoͤne einer vollſtaͤndigern Kopfbildung zur Genuͤge erkennen. So wurde dann aus Noth und Einſicht der Privaten und Regierungen die Kopfbildung immer mehr Sache der Schule. Dabei wurde noch lange mit großem Eifer und Ernſte Herzensbildung als Hauptſache betrieben. Und da war die goldene Zeit, in die ich die fruͤhere Bildung verſetze. Man liebte nuͤtzliche Kenntniſſe und ſtrebte mit loͤblichem Eifer darnach, doch wurde dieſes Streben noch immer als der Herzensbildung untergeordnet betrachtet. Der Verſtand wurde mit ſchoͤnen Kenntniſſen bereichert das Herz mit edeln


