Aufsatz 
Über die Entartung der Jugend in der neueren Zeit
Entstehung
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und Genuſſes unfaͤhig macht, ein anderes Irdiſches zu beſitzen und zu genießen!

3) Da mit der Annahme des Tugendgeſetzes und der Freiheit und Un⸗ ſterblichkeit der Seele die Wahrheit der Ideen angenommen iſt; ſo iſt auch damit die Gottheit als der heilige Urgrund aller Dinge an⸗ genommen. Fries an der oben angefuͤhrten Stelle. Durch Befolgung des Tugendgeſetzes entſteht das ſittliche Gute, und durch die Ueber tretung deſſelben das Boͤſe, die Suͤnde. Jenes halten wir allgemein fuͤr loͤblich und belohnenswerth, dieſes fuͤr ſchaͤndlich und ſtrafbar. Im ewigen Sein herrſchen die Geſetze der Tugend, und da ſoll Jedem werden, deſſen er ſich durch Tugend wuͤrdig gemacht hat. Es muß daher ein allwiſſender, allgerechter, allmaͤchtiger Richter ſein, der das Gute belohnet und das Boͤſe beſtrafet. Warum ſoll ich auch mit Aufopferung ſo vieler mir werthen Guͤter und Genuͤſſe, auch im Verborgenen, das Tugendgeſetz befolgen, wenn die Befolgung und Uebertretung deſſelben gleiche Folgen fuͤr mich in der Ewigkeit haͤtten?

Atque haud scio, an pietate adversus deos sublata fides etiam et societas generis humani et una excellentissima virtus, iustitia tollatur Cic. de nat. Deor.

Bonus vir sine deo nemo est. Senec. Epist. 41.

Dem Menſchen iſt aller Werth geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt. Schiller.

Feſt und unumſtoͤßlich ſteht daher die Behauptung, die Tugend des Menſchen hangt von ſeiner Ueberzeugung von den heiligen Wahrheiten ab,