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liches, und ein unendliches, ewiges, goͤttliches. In jenem geſchieht Alles durch Nothwendigkeit, in dieſem durch Freiheit. In jenem gel⸗ ten die unvermeidlichen Geſetze der Natur, in dieſem die freien Ge⸗ ſetze der Tugend. In jenem entſteht, altert, und vergeht Alles, in dieſem iſt Alles unvergaͤnglich und ewig. In jenem iſt jede Urſache wieder die Wirkung einer andern Urſache, in dieſem gibt es eine ab⸗ ſolute ewige Urſache als Schoͤpfer der Welt. Daß dieſe Unterſcheidung eines endlichen und ewigen Seins allgemein, weſentlich und wahr ſei, wurde im Programme von 1823 uͤberzeugend gezeigt. Wie es nun unſinnig und unerhoͤrt waͤre, die freien Geſetze des ewigen Seins, naͤmlich die Geſetze der himmliſchen Tugend, auf die unfreien Dinge des endlichen Seins, naͤmlich auf Mineralien, Pflanzen und Vieh, anzuwenden; eben ſo unſinnig und grundlos waͤre es doch wohl auch, das unvermeidliche Geſetz des endlichen Seins, das Geſetz des Ster⸗ bens, auf die freien Weſen des ewigen Seins, naͤmlich auf die menſchlichen Seelen, ausdehnen zu wollen?
Es gibt drei Ueberzeugungsarten des menſchlichen Geiſtes, Wiſſen, Glauben und Ahnen, gleich an Gewißheit, aber verſchieden an Klar⸗ heit. Eine Ueberzeugung vom Endlichen heißt Wiſſen, eine Ueber⸗ zeugung vom Ewigen Vernunftglaube, und das Vernehmen des Ewi⸗
gen im Endlichen durch nothwendige Gefuͤhle Ahnen. Wir wiſſen um
das Endliche, glauben an das Ewige, und ahnen im Endlichen das Ewige. Auch dieſe Ueberzeugungsarten ſind im Programme von 1823 weitlaͤufiger abgehandelt worden.
Es gibt drei Begruͤndungsarten menſchlicher Behauptungen»Beweiſen,
Vorweiſen, Nachweiſen.— Da naͤmlich nicht jede Behauptung ſchon
an ſich wahr iſt, ſo bedarf ſie einer Begruͤndung, um fuͤr ſolche zu
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