Aufsatz 
Über die Entartung der Jugend in der neueren Zeit
Entstehung
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aber auch, daß die Ausbildung der Vernunft im engſten Sinne, als Quelle des Ueberſinnlichen, des Ideellen oder der Ideen, nothwendig zur Bildung des Herzens gehoͤret. Die Vernunft in dieſer Bedeutung iſt das Gottaͤhnliche im Menſchen, und nur wegen ihr heißt der Menſch das Ebenbild Gottes. Die Aeußerungen der Vernunft ſind untruͤglich, obſchon durch Mangel an Bildung, oder durch verkehrte Behandlung des Menſchen geſchwaͤcht, oft kaum vernehmlich und daher unwirkſam. Denn nur einen Funken ſeines goͤttlichen Weſens ſenkte der Allweiſe ins Menſchenherz, damit derſelbe erſt durch die Thaͤtig⸗ keit des Menſchen zu ſeinem Verdienſte zur waͤrmenden, leuchtenden Flamme ergluͤhe. Ohne dieſe Thaͤtigkeit bleibt aber die Wirkung deſ⸗ ſelben nur ſchwach, und erſcheint bei der herrſchenden weigung des Menſchen auf's Irdiſche gleichſam erloſchen.

4) Die uͤberſinnlichen heiligen Wahrheiten nun, die bei zweckmaͤßiger Ausbildung der Vernunft klar werden, und zur unumſtoͤßlichen Ge⸗ wißheit erſtarken, ſind: 6

Es iſt ein ſelbſtſtaͤndiger, von der ſinnlichen Natur verſchiedener, ſich ſeiner bewußter Gott, ein allmaͤchtiger, allliebender, allweiſer Schoͤpfer des Weltalls und Vater der Menſchen.

Die menſchliche Seele iſt frei und unſterblich, als ſelbſtſtaͤndiger Geiſt.

Es giebt ein unwandelbares ewiges Geſetz fuͤr Geſinnung und That, das der Allweiſe ins Menſchenherz grub, deſſen Befolgung Tugend heißt, und allein dem Menſchen dauernde Ehre, Ruhe, Freude und Schoͤnheit ertheilt und ewigen Werth, und ihn allein durch die dunkle Pforte des Todes vor den allgewaltigen, allwiſſenden, allgerechten Richter der Menſchen begleitet.

5) Es gibt alſo ein zweifaches Sein, ein endliches, zeitliches, natuͤr⸗