— 5— dung allein, ſo vollkommen ſie immer auch iſt, gibt alſo weder von der Frei⸗ heit und Unſterblichkeit der Seele, noch von der Tugend, noch von der Gott— heit Kunde und Gewißheit, wie ſchon laͤngſt viele tiefe und hochgefeierte Gelehrte bewieſen.
Die Herzensbildung hat die richtige Lenkung der Geſinnungen und Tha⸗ ten der Menſchen zum Ziele. Da nun alle Antriebe und Beſtimmungsgruͤnde zum menſchlichen Thun entweder aus dem ſinnlichen Triebe der Eigenliebe oder aus der Vernunft entſpringen; ſo umfaßt auch Herzensbildung wieder zwei weſentlich verſchiedene Theile. Der erſte davon bezweckt die Verhuͤtung zu großer Staͤrke des ſinnlichen Triebes, die Maͤßigung ſeiner Ausbruͤche, ſeiner Unterwerfung unter die Vernunft und ſeine ſtete Peredlung. Der zweite beabſichtigt die Entwickelung der Vernunftwahrheiten, welche das Ewige betreffen; ihre Erhebung zur Klarheit und unerſchuͤtterlichen Gewiß⸗ heit und ihre dauernde Lebhaftigkeit.— Die richtige Einſicht in dieſen Theil der Herzensbildung erfodert indeſſen noch eine weitere Eroͤrterung.
1) Der Menſch hat zwei Quellen der Erkenntniß, Erfahrung und Ver⸗ nunft. Erfahrung iſt nur die Quelle aller unmittelbaren und mittel⸗ baren Kenntniſſe der Sinne. Erfahrungskenntniſſe werden nicht durch bloßes Denken erworben, ſondern kommen von Außen in den menſch⸗ lichen Geiſt, und ſetzen beſtimmte Lagen voraus, um ſie zu erlangen. Sie ſind daher auch nicht nothwendig und allgemein. Hatten wir freilich dieſelbe Erfahrung ſchon oft, ſo ſchließen wir endlich mit einem gewiſſen Vertrauen, daß ſie auch kuͤnftig und Allen ſo erſchei⸗ nen werde. Allein da hier nur unvollſtaͤndige Induction iſt, ſo gibt der Schluß nur Wahrſcheinlichkeit, nie aber feſte Gewißheit.— Auch erſtrecken ſich Erfahrungskenntniſſe nur auf Gegenſtaͤnde des endlichen Seins.


