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Bei Joh. XIII. 35. Daran ſoll Jeder erkennen, daß ihr meine Juͤnger ſeid, wenn ihr Liebe unter einander habt.
Bei Jakob. II. 14. Was kann es nuͤtzen meine Bruͤder! wenn Jemand ſagt, er habe den Glauben, aber die Werke nicht hat? Kann ihn wohl der Glaube ſeelig machen?
Obgleich nun Tugend und Religion im Leben unzertrennbar und zu⸗ gleich geſetzt ſind, ſo muß doch in der Theorie die Tugendlehre der Religions⸗ lehre vorausgeſchickt werden. Der Menſch naͤmlich vermag den Willen der Gottheit nur mittelbar durch die Vernunft zu erkennen, indem er dann erſt et⸗ was fuͤr einſtimmend mit dem goͤttlichen Willen haͤlt, wenn es die Vernunft als gut erkennt. Die Tugendlehre muß daher vor der Religionslehre abge⸗ handelt werden, damit ſie uns bei der Beſtimmung der Eigenſchaften Gottes und aller religioͤſen Gebräuche ſicher leite. Denn ohne klare und beſtimmte Kenntniß der ſittlichen Guͤte ſind wir in Gefahr, der Gottheit menſchliche Schwachheiten oder gar unſittliche Eigenſchaften beizulegen, und in gleichguͤl⸗ tige oder ſelbſt widerſinnlige Handlungen hohen ſittlichen Werth zu ſetzen.— Die Setzung der Religion in das bloße Mitmachen kirchlicher Gebraͤuche, die ſtolze Erhebung der Bekenner verſchiedener Confeſſionen uͤbereinander, ihre Unduldſamkeit, Bekehrungs⸗ Verketzerungs⸗ und Verfolgungsſucht gegen ein⸗ ander, ſind traurige Folgen entſtellter Ideen der Gottheit. Siehe hieruͤber: Krug Religionslehre Seite 25. Salat Religionsphiloſophie Seite 415. Fries Ethik. Seite 15. 1
III.
Die vorzuͤglichſten Wirkungen der ſittlich⸗religioͤſen Bildung auf die Geſtaltung eines guten und ſchoͤnen Lebens.
4. Sittlich⸗religioͤſe Bildung bringt Einheit und feſte Richtung ins menſchliche Streben.


