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Wollte man unter Religion objectiv den Inbegriff der ewigen Wahrhei⸗ ten verſtehen; ſo moͤgte es ſcheinen, daß Jemand Religion haben koͤnne, ohne Tugend zu haben. Allein, gaͤbe es wirklich ein ſo rohes Gemuͤth, das dieſe heiligen Wahrheiten glauben koͤnnte, ohne Tugend zu uͤben; ſo kaͤme ihm doch eben ſo wenig Religion zu, als einem Stuͤckchen Papier, das dieſe Wahrheiten geſchrieben enthielte. Denn Religion beſteht in lebendiger Ue⸗ berzeugung von den heiligen Wahrheiten, und wo dieſe iſt, erſcheint Tu⸗ gend als noͤthige Folge. Eſchenmayer ſagt im ſten Theile der Reli⸗ gionsphiloſophie Seite 222.„Wahr iſt es, daß ohne Moral keine echte Re⸗ ligion und kein lebendiger Glaube ſich zu bilden vermag.“ Kant ſagt ſogar in dem Werke, die Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft 2te Aufl. 1794 Seite 250:„Alles, was außer dem guten Lebenswandel, der Menſch noch thun zu koͤnnen vermeint, um Gott wohlgefaͤllig zu werden, iſt bloßer Religionswahn und Afterdienſt.“
Da, wie oben gezeigt worden, zur Religion nothwendig Gefuͤhl gehoͤrt, ſo iſt hier nur zu warnen, daß man ja nicht waͤhne, mit dem feuerigſten Ge⸗ fuͤhle allein ſchon Religion zu beſitzen.„Jedes Gefuͤhl erhaͤlt ſeine Bedeu⸗ tung nur durch ſeinen Einfluß auf das thaͤtige Leben. Nur ſo viel gilt der Menſch als er gehandelt hat, und jedes Gefuͤhl nur ſo viel, als es durch die That in's Leben greift.“ Fries, Julius und Evagoras Lter Theil Seite 267.
Es gibt alſo keine Religion ohne Tugend und hiermit ſtimmt die gött⸗ liche Chriſtuslehre vollkommen überein. Denn es heißt: Bei Matth. VII 20. An ihren Fruͤchten ſollt ihr ſie erkennen.
Bei Matth. VII. 21. Nicht Jeder, der mich Herr Herr nennt, wird ins
Himmelreich kommen; ſondern der, welcher den Willen meines himmliſchen Vaters befolgt.


