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Tugend und Religion ſind dem Weſen nach eins, und bezeichnen die naͤmliche unumſtoͤßliche heilige Urkunde unſeres uͤberirdiſchen Seins, unſerer hohen ewigen Beſtimmung. Nur die Schwaͤche des menſchlichen Geiſtes hat ſie zum beſſern Verſtaͤndniß geſchieden. Salat ſagt in ſeiner Religionsphi⸗ loſophie Seite 79:„Der Standpunkt der Erhabenheit des Menſchen uͤber die Natur iſt der moraliſche, und der Standpunkt der Abhaͤngigkeit des Men⸗ ſchen von dem unendlich hoͤhern, der religioͤſe; beide ſind wohl unterſcheidbar, aber ſchlechterdings nicht trennbar.“ Unter Religion verſtehen wir nun die lebendige Ueberzeugung von den ewigen Wahrheiten, und unter Tugend ihre kraͤftige Erſcheinung im Leben! Beide ſtehen im unzertrennlichen ewigen Bunde. Tugend iſt nothwendige Folge der Religion; denn aus der lebendi⸗ gen Ueberzeugung von den ewigen Wahrheiten entſpringt ſicher das Gott ge⸗ weihte Leben, die Tugend. Aber Tugend iſt auch durch die Ueberzeugung vom Ewigen nothwendig bedingt, denn ohne Vorausſetzung ſittlicher Frei⸗ heit und eines heiligen Geſetzes fuͤr Geſinnung und That iſt doch wohl Tu⸗ gend undenkbar. Nun aber iſt mit der Freiheit der Seele ihre Ewigkeit ge⸗ ſetzt, und mit der Ewigkeit die hoͤhere Weltordnung, und damit die Gott⸗ heit, wodurch jene beſteht. Freiheit, Unſterblichkeit„ Tugend und Gott ſind innig verbunden, und mit einer dieſer heiligen Wahrheiten ſind alle geſetzt. Fries Wiſſen, Glauben und Ahnen 1805 Seite 164. Der Gedanke an die Tugend iſt von jenem an Gott und die Unſterblichkeit nicht trennbar, ſagt Salat in der Religionsphiloſophie Seite 180. Alles, was uns noͤthigt, an Gott und einen moraliſchen Weltplan zu glauben, ſagt Gerlach in der Religionsphiloſophie Seite 175, beſtimmt uns auch zur Ueberzeugung der Unſterblichkeit. Selbſt Eſchenmayer geſteht im erſten Theile ſeiner Reli⸗ gion sphiloſophie 1818 Seite 428, daß die Tugend aufs innigſte mit der Freiheit verſchwiſtert, uns auf die Annahme eines moraliſchen Geſetzgebers hinfuͤhrt.


