Aufsatz 
Über die sittlich religiöse Bildung und ihre vorzüglichsten Wirkungen auf die Gestaltung eines guten und schönen Lebens
Entstehung
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1 gun in der Natur Vieles denſelben zuwider geſchieht; ſo ſetzen wir damit ein ewiges Sein voraus, wo Alles geſchieht, wie es ſoll. De quo autem omnium natura consentit, id verum esse necesse est-

Cicero de natur. Deor. I. 17.

3 II.

Darſtellung des Weſens der ſittlich-religioöoͤſen Bildung.

Das Sittlich⸗Religioͤſe betrifft das Verhaͤltn des Menſchen zum Ewi⸗ gen, und iſt daher auch nur im Glauben und heiliger Ahnung vernehmbar. Davon laͤßt ſich der Glaube in Worte faſſen, und es muß ſogar wiſſenſchaft⸗ lich gezeigt werden, worin derſelbe beſtehe: allein das Ewige zu vernehmen, iſt endlichen Vernunftweſen nur in Gefuͤhlen vergoͤnnt. Kein Auge hat es geſehen, kein Ohr gehoͤret. Paulus 1. Corinther II. 9. Sittlich⸗religiöſe Bil⸗ dung beſteht daher weder allein in genauer Kenntniß der Glaubens⸗ punkte und Pflichten, noch allein im lebendigem Gefuͤhle fuͤr das Ewige. Das Erſte iſt als bloße Verſtandesſache ohne Ergreifung des Herzens und ohne belebendes Gefuͤhl kalt, und ohne Kraft auf Geſinnung und That. Dabei lußt ſich ſchon uͤber die Erhabenheit der Tugend und Religion ſprechen, waͤhrend das eigene Leben vom Irdiſchen beſtrickt niedrigem Ge⸗ nuſſe oder thoͤrichtem Geize frohnt. Beſtaͤnde hierin ſchon ſittlich⸗religioͤſe Bildung, ſo beſaͤßen wir ſie im hoͤhern Maße, als alle Vorwelt. Aber auch bloße Gefuͤhle fuͤr das Ewige, ſo lebendig und kraͤftig ſie ſind, machen noch nicht die ſittlich⸗religioͤſe Bildung aus. Denn dieſe Gefuͤhle ſind ohne klare Kenntniß des Glaubens blind, und tauſendfachem Irrthume unter⸗ worfen, beſonders entehrendem Aberglauben, roher Unduldſamkeit und dum⸗