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ten und Erhabenheiten der Natur, und in der Geſchichte des Einzelnen, der Familien, der Voͤlker und des Menſchengeſchlechtes— ſpricht uns das Ewige gewaltig an, doch nur fuͤr uns in Gefuͤhlen vernehmbar.„Der wahrhaft fromme und von Gott erfuͤllte Menſch fuͤhlt ſich immer in ſeines Gottes Naͤhe, und ſieht in allen Ereigniſſen der Natur und des Menſchenlebens die Spuren ſeiner unmittelbaren Leitung.“ Klein Philoſophiſche Religions⸗ und Sittenlehre 1818 Seite 189..
Die Unterſcheidung des endlichen und ewigen Seins iſt tief im menſch, lichen Geiſte gegruͤndet, und daher auch in der Sprache des Lebens, obgleich ohne klares Bewußtſein, haͤufig angewendet. Sie kommt unter andern vor:
1) In der in unſern Erbauungebuͤchern uͤblichen Entgegenſetzung von Zeit und Ewigkeit.
2) Bei der Beurtheilung einer etwas auffallenden That eines Menſchen. Hier fragen wir naͤmlich zuerſt nach der Urſache der That, und betrachten daher den Thaͤter als zum endlichen Sein gehoͤrig. Dann beurtheilen wir die That nach den Geſetzen der Tugend, und betrachten alſo den Thaͤter als ein Glied der hoͤhern oder ſittlichen Weltordnung.
3) Bei der Anwendung des Naturgeſetzes: Alles, was geſchieht, hat
eine Urſache. Behauptet naͤmlich Jemand etwa von einem Baume, er ſei nicht von einem andern Baume, ſondern von ſich ſelbſt entſtanden: ſo fin⸗ det er damit durchaus keinen Glauben; weil Jeder weiß, daß alle Gegen⸗ ſtaͤnde der Natur von andern entſpringen. Indeſſen ſagt uns doch die Ver⸗ nunft, daß es von Allem endlich eine abſolute Urſache gebe, die wir dann wohl nicht als zum endlichen Sein, ſondern zum ewigen, gehöͤrig be⸗ trachten muͤſſen.
4) Bei der Ausſprache der Allgemeinguültigkeit der Geſetze der Tugeud. Wir fodern naͤmlich, daß dieſe Geſetze allgemein beobachtet werden. Da


