Aufsatz 
Über die sittlich religiöse Bildung und ihre vorzüglichsten Wirkungen auf die Gestaltung eines guten und schönen Lebens
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

1) nicht zur Kenntniß eines abſoluten heiligen Grundes der Dinge, wie wir die Gottheit betrachten muͤſſen; denn in der Natur iſt jedes Ding wie⸗ der von einem andern gewirkt.

2) Nicht zur Kenntniß der Unſterblichkeit des menſchlichen Geiſtes, denn hienieden altert und ſtirbt, was entſteht. Omnia orta occidunt et aucta

senescunt. Salluse Jug. 2.

3) Nicht zur Kenntniß der ſittlichen Freiheit und der himmliſchen Tu⸗ gend; denn in der Natur geſchieht Alles nothwendig, welches Handlungen nach Geſetzen der Freiheit, und damit Tugend ſelbſt unmöglich macht.Die Religion iſt etwas Inneres, nichts Aeußeres, in uns zu ſuchen, nicht außer uns Plank Philoſophiſche Religionslehre 1821 Seite 7.

B. Beziehen ſich die Aeußerungen der Vernunft auf das uͤbernatuͤrliche unendliche, ewige Sein, oder auf die hohere ewige Weltordnung; ſo heißt das Erkennen derſelben Vernunftglaube. So ſicher wir nun wiſſen, daß im endlichen Sein, jede Urſache wieder die Wirkung einer andern iſt: eben ſo ſicher glauben wir, daß es eine uͤber Raum und Zeit erhabene ewige Urſache aller Dinge gibt. So ſicher wir wiſſen, daß im endlichen Sein alles der ſtarren Nothwendigkeit folgt: eben ſo ſicher glauben wir, daß unſere Seele ein von den Geſetzen der Natur unabhängiges freies Weſen iſt. So unumſtoͤßlich unſer Wiſſen iſt, daß im endlichen Sein alles Entſtandene ver⸗ geht: eben ſo unumſtoͤßlich iſt unſer Glaube, daß unſere vom endlichen Sein unabhaͤngige Seele das harte Naturgeſetz des Sterbens nicht trifft. So feſt unſer Wiſſen iſt, daß alle Gegenſtaͤnde des endlichen Seins unter den eiſernen Naturgeſetzen ſtehen: eben ſo feſt iſt unſer Glaube, daß fuͤr unſere Seelen, als freie Weſen, die Geſetze der himmliſchen Tugend oder der hoͤhern oder ſittlichen Weltordnung gelten.

Hier iſt nun noch dieſer Vernunftglaube wohl vom logiſchen Glauben zu unterſcheiden ſowohl in Ruͤckſicht des Gegenſtandes als der Gewißheit.