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atque terra, ratione divinius? Est igitur, quoniam nihil est ratione me- lius, eaque et in homine et in deo, prima homini cum deo rationis so- cielas.
Die Vernunft mit ihren nothwendigen Wahrheiten iſt in allen Menſchen dieſelbe, und nur in Ruͤckſicht des Bewußtſeins um die Vernunftwahrheiten unterſcheiden ſich die Menſchen, indem der wahrhaft Gebildete ſich derſelben mit Klarheit bewußt iſt, waͤhrend ſie ſich im Ungebildeten gleichſam als In⸗ ſtinkt offenbaren.
Obgleich nun der Menſch ein unfehlbares Vermoͤgen hat die Wahrheit zu erkennen; ſo iſt doch deswegen nicht alles von ihm fuͤr Kenntniß Ausge⸗ gebene ſchon wahr. Denn oft verfaͤhrt derſelbe beim Streben nach Kennt⸗ niß nicht nach den nothwendigen Geſetzen, ſondern laͤßt ſich durch fehlerhafte Organe, durch eine zu lebhafte Phantaſie, durch Traͤgheit, Uebereilung, Lei⸗ denſchaft, Vorurtheil u. ſ. f. zum Irrthum verleiten. Auch iſt das Erkennt⸗ nißvermoͤgen des Menſchen in mannigfacher Hinſccht beſchraͤnkt, beſonders
vermag es wegen der Unendlichkeit des Raums und der Zeit Vieles nicht zu kennen.
Iſt aber eine Kenntniß wirklich eine Vernunftwahrheit, ſo iſt ſie un⸗ fehlbar und dauernd, waͤhrend Irrthum im Laufe der Zeiten verſchwindet.
Opinionum commenta delet dies, naturae judicia confirmat. Cicero de
natur. deor. II. 2.
Das Bewußtſein um die Vernunftwahrheiten erhaͤlt nun in Anſehung der Gegenſtaͤnde, worauf ſich dieſelben beziehen, verſchiedene Namen.
A. Beziehen ſich die Aeußerungen der Vernunft auf das ſinnliche, in dem Raume und der Zeit befindliche, endliche Sein, oder auf die niedere end⸗
liche Weltordnung, oder auf die Natur; ſo nennen wir die Erkenntniß der⸗ ſelben Wiſſen. Das Wiſen fuͤhrt:


