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2 daß keine Ausſage Anderer zuverlaͤſſiger ſein koͤnne, als dasjenige, was das unfehlbare Vermoͤgen des menſchlichen Geiſtes ſelbſt ausſpricht;
3) daß eine Erkenntniß vermittelſt der Sinne nicht gewiſſer ſein koͤnne, als eine aus dem unfehlbaren Vermoͤgen des Geiſtes ſelbſt entſprungene.„Es iſt dem Menſchen die erſte Wahrheit in dem, deſſen der Geiſt in ſich ſelbſt gewiß iſt; nur kraft deſſen vermag er auch ſinnlicher Belehrung zu folgen.“ Fries Julius u. Evagoras 2ter Theil 1822 Seite 196.
Dieſes unfehlbare Vermoͤgen des menſchlichen Geiſtes die Wahrheit zu erkennen; welches alle Willkuͤhr ſeiner Aeußerungen ausſchließt, heißt nun Vernunft, und iſt wohl zu unterſcheiden von dem Verſtande, oder dem Ver⸗ moͤgen der Begriffe, Urtheile und Schluͤſſe; denn der Verſtand kann ſich will⸗ kuͤhrlich und damit auch irrig aͤußern. Die Vernunft iſt das Gott Aehnliche im Menſchen, und nur wegen ihr heißt er Gottes Ebenbild. In Clodius Grundriß der allgemeinen Religionslehre 1808§. 91. heißt die Vernunft Got⸗ tes die hoͤchſte und die des Menſchen die niedere. In Gerlach Grundriß der Religionsphiloſophie 1818 Seite 129 heißt Gott die unendliche ewige Vernunft. In Krug Religionslehre 1819 Seite 98 heißt die goͤttliche Ver⸗ nunft die abſolute unbeſchraͤnkte, und die menſchliche nur ein Funke von jenem reinen Urlichte. In Salat's Religionsphiloſophie 2te Aufl. 1821 wird Gott die unendliche hoͤchſte Vernunft genannt.
Dieſe Anſicht der Vernunft allein erhebt den Menſchen über die Gegen⸗ ſtaͤnde der Koͤrperwelt, und macht ihn der Tugend und Religion faͤhig, und damit Gott aͤhnlich. Sie iſt auch die Anſicht der achtbarſten Philoſophen. Selbſt in den philoſophiſchen Schriften der Roͤmer findet ſie ſich. So heißt es z. B. bei geneza im 92 Briefe: Ratio vero diis hominibusque communſs, haec in illis consummata est, in nobis consummabilis. Dann bei Cicero
de leg. I.. Quid est autem, non dicam in homine, sed in omni coelo


