Aufsatz 
Über die sittlich religiöse Bildung und ihre vorzüglichsten Wirkungen auf die Gestaltung eines guten und schönen Lebens
Entstehung
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3) Sein Geiſt hat ihm dieſelbe verkuͤndet, z. B. den Satz: Alles was geſchieht, hat eine Urſache.

Da alles Erkennen eine Thaͤtigkeit des menſchlichen Geiſtes iſt, der Stoff mag durch die Sinne gegeben, oder aus dem Geiſte ſelbſt geſchoͤpft ſein: ſo folgt, daß derjenige, welcher im erſten Falle von der Wahrheit ei⸗ ner Sache uͤberzeugt iſt, dem menſchlichen Geiſte ein unfehlbares Vermoͤgen, Wahrheit zu erkennen, beilegen muͤſſe.

Soll Einer im zweiten Falle von der Wahrheit einer Sache uͤberzeugt ſein, ſo muß er einmal dem Wahrnehmer derſelben, wie im erſten Falle, ein unfehlbares Vermoͤgen, Wahrheit zu erkennen, beilegen. Da aber nur diejenigen Ausſagen Anderer als wahr angenommen werden, die mit gewiſ⸗ ſen nothwendigen Regeln uͤbereinſtimmen: ſo fodert alſo ferner die Ueber⸗ zeugung von der Wahrheit der Ausſagen Anderer, die Uebereinſtimmung der⸗ ſelben mit gewiſſen nothwendigen Regeln. Waͤren dieſe Regeln auch Ausſa⸗ gen Anderer; ſo ſetzte die Ueberzeugung von der Wahrheit derſelben wieder ihre Uebereinſtimmung mit gewiſſen nothwendigen Regeln voraus. Da nun unmoͤglich dieſe nothwendigen Regeln in's Unendliche fort wieder Ausſagen Anderer ſein koͤnnen; ſo muͤſſen ſie zuletzt im menſchlichen Geiſte ſelbſt liegen, d. h. dem menſchlichen Geiſte muß auch in dem Falle ein unfehlbares Vermoͤ⸗ gen, Wahrheit zu erkennen, beigelegt werden, wenn Einer von der Wahr⸗ heit der Ausſagen Anderer uͤberzeugt ſein ſoll.

Daß endlich Jeder, welcher im dritten Falle von der Wahrheit eines Satzes uͤberzeugt iſt, dem menſchlichen Geiſte ein unfehlbares Vermoͤgen, Wahrheit zu erkennen, beilegen muͤſſe, verſteht ſich von ſelbſt.

Aus dem Geſagten folgt nun unumſtöͤßlich:

1) daß Jeder, welcher nur von der Wahrheit irgend einer Sache uͤber⸗ zeugt iſt, auch dem menſchlichen Geiſte ein unfehlbares Vermoͤgen, Wahrheit zu erkennen, beilegen muͤſſe;