Aufsatz 
Etwas über Sprachen als Bildungsmittel, zunächst für die Schüler des Pädagogiums
Entstehung
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gung der Sprache im Sprechen nicht nur von Schülern, ſondern auch von einem großen Theile der gebildeten Stände Teutſchlands, ſetzt unſere herrliche Sprache in den Augen der Fremden herab, hindert die Richtigkeit und Schönheit des Ausdrucks im Schreiben, und läßt die ſo bildſame Sprache nicht zu jener feinern Ausbildung für Gefühl und Ohr gelangen.Die Sprache heißt rauh und ſpröde, ſagt Arndt, weil ſich Niemand die Mühe gibt, ſie wohllautend und biegſam zu machen; ſie heißt unvollkommen für den Gebrauch der feinern Geſellſchaft, weil dieſe Geſellſchaft das Unmögliche verlangt, daß die Sprache ſich ohne ihre Hilfe von ſelbſt für ſie bilden ſoll. Durch die Befolgung folgender Regeln ſcheint mir die Sprache der Schüler verbeſſert werden zu können.

1) Man zeige ihnen oft die Wichtigkeit und Schönheit einer richtigen Sprache, und fodere ſie auf, ſich derſelben in allen Verhältniſſen zu befleißen, damit ſie ihnen geläufig und natürlich werde.

2) Man verbeſſere jedes Mal die Sprachfehler der Schüler, und laſſe ſie das fehlerhaft Geſagte in einer richtigen Sprache wiederholen. Zur Uebung dieſer Regel dienen vorzüglich mündliche Wiederholungen des Vorgetragenen, und kleine mündliche Erzählungen und Beſchreibungen.

§. 10.

Die zweite Stelle unter den Sprachen als Bildungsmitteln wird mit Recht für die griechiſche Sprache gefodert. Die günſtige Lage Griechenlands, die Zertheiltheit deſſelben in mehrere kleine Staaten, welche die Lebendigkeit und das Aufſtreben der einzelnen ſo ſehr beförderte, die das Aufblühen des Geiſtes begünſtigenden Verfaſſungen der meiſten, die außerordentliche Liebe zur Kunſt und Wiſſenſchaft der Athener, vor allem aber das öffentliche Leben der Griechen, hat ſie zu einer Vollkommenheit erhoben, zu der ſich bisher noch kein anderes Volk empor ſchwingen konnte. Daher iſt dann die griechiſche Sprache auch die vollkommenſte unter allen Sprachen, ſowohl in Anſehung ihrer inneren Feinheit, als ihres äußern Reichthums, und nach der Mutterſprache das vortrefflichſte innere Bildungsmittel. Aber auch die vielen ausgezeichneten Werke der Griechen über alle Zweige der menſchlichen Kunſt und Wiſſenſchaft