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ſind ſowohl wegen ihrer ſchönen Darſtellung ewige Muſter, als wegen ihres wichtigen Inhaltes ewige Lehrer für das menſchliche Geſchlecht.
§. 11.
Die dritte Stelle unter den Sprachen verdienet die lateiniſche. In den meiſten Zweigen der Kunſt und Wiſſenſchaft ſind die Römer zwar auch auß ihrer höchſten Bildungsſtufe hinter ihren Lehrern, den Griechen, geblieben, doch haben ſie ſich in einigen Zweigen, z. B. der Geſetzgebung, über dieſelben erhoben, und überhaupt einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht. Ihre Sprache iſt daher auch ſehr ausgebildet, und hat ſogar in Anſehung der größern Einfachheit und kunſtloſern Zuſammenſetzung einen Vorzug vor der griechiſchen. Die beſten Schriften der Römer ſind daher herrliche Muſter der ſchönen Darſtellung, und in Rückſicht ihres Inhaltes ſelbſt viel wichtiger für uns, als die Schriften der Griechen. Denn wegen der Weltherrſchaft der Römer finden wir in ihren Werken zuverläſige Nachrichten über die damals bekannte Welt. Dann iſt aber auch der jetzige Zuſtand Europas faſt in allen Verhältniſſen zunächſt aus der römiſchen Welt hervorgegangen.
§. 12.
Selbſt um die vortrefflichen Werke der ausgezeichneten teutſchen Schrift⸗ ſteller und Künſiler zu verſtehen, bedürfen wir der Kenntniß der griechiſchen und römiſchen Sprache. Denn alle diejenigen, welche ſich bisher in Künſten und Wiſſenſchaften empor ſchwangen, haben ſich meiſtens nach den unſterblichen Muſtern der Griechen und Römer gebildet, und in ihre Werke vielfach Griechiſches und Römiſches verwebt. Aber auch auf die weitere Ausbildung der Mutterſprache hat das fleißige Betreiben dieſer vollendeten Sprachen großen Einfluß; einmal wegen des dadurch veredelten Geſchmackes, dann durch angeſtellte Vergleichungen, beſonders durch Ueberſetzungen.
6. 13.
Auch eine lebende fremde Sprache kann ein gutes Bildungsmittel ſein, wenn ſie einen hohen Grad der Ausbildung erlangt hat, wie die teutſche,


