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die Mutterſprache ſo ausgebildet iſt, daß ſie ihre Werke darin abfaſſen. So zeigt es auch die Bildungsgeſchichte unſerer Sprache und unſeres Volkes. Seit der Reformation nämlich iſt die Volksbildung in Teutſchland immer mehr geſtiegen, weil von dieſer Zeit an immer mehr kräftige Männer die teutſche Sprache bildeten und Werke darin verfaßten.
§. 3.
Die Mutterſprache iſt für jeden Menſchen ein theueres und heiliges Gut, daß man, nach Spalding, wie Vater und Mutter ehren ſoll. Welche theuern Erinnerungen ſind aber auch nicht an die Mutterſprache geknüpfet! Darin hat der Menſch die ſüße Stimme der geliebten Eltern vernommen und die goldenen Tage der Kindheit verträumt; darin wurde ihm zuerſt der Name des gütigen Allvaters mit Ehrfurcht genannt, und darin hat er im frommen Gebete ſein kindliches Herz ergoſſen; darin hat er die liebevollen Jahre des Jünglings verlebt und ſich ſeine begeiſternden Ideale geſchaffen; darin hat er ſo viel Gutes und Schönes der Heimat genoſſen, und ſich als Mann endlich ſeine Weltanſicht geſtaltet! Dieſe mächtige Liebe zur Mutterſprache knüpfet aber auch den Menſchen feſt an ſein Vaterland und an alle Menſchen, die mit ihm die nämliche Sprache ſprechen. Unzerbrechlich wird dieſes Band werden, wenn die teutſche Jugend durch eine hohe Bildung der Mutterſprache auch im teutſchen Schriſtenthume teutſche Kunſt und Wiſſenſchaft, und teutſche Würde und Größe erſt recht erkennt und bewundert.„Die Liebe für ſeine Sprache i*ſt die herrlichſte Bürgſchaft für die unbegrenzte Anhänglichkeit an alles Hei⸗ miſche,“ ſagt ein teutſcher Schulmann
§. 9.
Welche Kenntniſſe ein Schüler des Pädagogium von der Mutterſprache vor ſeiner Entlaſſung haben ſoll, und durch welche Mittel er dazu müſſe geführt werden, iſt eben ſo richtig als ſchön in der hohen Schulordnung beſtimmt. Damit indeſſen die Schüler das vorgeſteckte Ziel ſicher und vollkommen erreichen, glaube ich, ihnen vor allem die Verbeſſerung ihrer Umgangsſprache dringend empfehlen zu müſſen. Die beiſpielloſe Vernachläßi⸗


