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Aehnlich wird die wohlthätige Wirkung der Beredſamkeit geſchildert bei der Zuſammenkunft von Ruſtem und Isfendiar:
„Wie Fluren von der Frühlingsdüfte Fächeln „Ward von den Reden, deren Ruſtem pflog, „Sein Herz erquickt und ſchlug vor Freuden hoch.“
Als Kai Kawus die Freudenbotſchaft von der Rettung des Chosru erhält, ſchließt ſein Gemüth ſich auf„der Roſe gleich, wenn ſie erblüht.“
Gelegentlich der Roſen ſei hier nebenbei bemerkt, daß Jordans Ueberſetznng von§0000 okOs „roſenſtreuend“ eine merkwürdige Beſtätigung oder wenigſtens Analogie erhält durch folgende Stelle des Firduſi:
„Als ſich die Sonne hob am wolkenloſen „Gewölb des Himmels und die Welt mit Roſen „Beſtreute.“ Wie menſchliche Empfindungen und Produkte mit elementaren Erſcheinungen, ſo werden auch letz⸗ tere mit erſteren vielfach verglichen, z. B.: „Sobald der Himmel über das Gefild „Ausſtreckte ſeinen goldenen Sonnenſchild.“ Anderweitig erſcheint die Sonne gleich einer goldenen Lampe, die Sterne gleich Kriegsheeren: „Wie Heeresreihen zogen „Die Nachtgeſtirne auf am Himmelsbogen.“
Soviel möge genügen, um einen ungefähren Begriff von der Bilderpracht des iraniſchen Helden⸗ liedes zu geben; eine genauere Vergleichung mit Homer iſt mir ohnehin unmöglich, da ich den Original⸗ text des Firduſi nicht verſtehe und Gefahr laufen würde, dem letzteren manches zuzuſchreiben, was vielleicht dem congenialen und auch als Dichter rühmlichſt bekannten Ueberſetzer gehört. Aber ſchon aus dem Ange⸗ führten wird klar geworden ſein, daß kaum eine oder die andere der oben erwähnten Gleichnißkategorien fehlt und daß der Perſer hinter dem Hellenen wenigſtens dem Reichtum der gleichnißbildenden Poeſie nach nicht zurückſteht; eine eigentümliche Fruchtbarkeit zeigen ſeine Gleichniſſe auf dem Gebiete der beſchreibenden Poeſie und in der Veranſchaulichung der Vorgänge des Gemütslebens; dagegen beweiſt in lebendig ausgeführter Handlung Homer, wie geſagt, eine bedeutende Ueberlegenheit. Für die Armut unſeres Nibelungenliedes aber kann uns die Thatſache tröſten, daß auch bei Homer die höchſte, herzer⸗ greifendſte Wirkung der Poeſie ohne den glänzenden Apparat der Gleichnißmalerei erreicht wird; und die einfach ſchönen Worte, in denen ſich der Seelenkampf des Rüdiger ausſpricht, wie er wählen muß zwiſchen Untreue am König und Verrat an der Feundſchaft, oder die an ſeine Meuchelmörder gerichtete Bitte des ſterbenden Siegfried um Schonung ſeiner hinterlaſſenen Frau— ſolche und ähnliche Stellen dürfen wir getroſt halten neben Andromache's Klage um Hektor oder den herzzerreißenden Jammer des Ruſtem über den vorzeitigen Tod ſeines zu ſpät erkannten Sohnes. Und wenn, um mit einem Gleichniß zu ſchließen, die Leier des Sängers, der die Sage von Siegfrieds Tod und Krimhildens Rache in die uns überlieferte Form gebracht hat, des kunſtvollen Schmuckes eingelegter Arabesken entbehrt, den Ton, der mit unfehl⸗ barer Gewalt die Herzen der Zuhörer packt und erſchüttert, in Liebe und Haß, in Leid und Luſt, den hat unſer Landsmann mit ſeinem einfacheren Inſtrument ſo gut zu treffen gewußt, wie ſeine glänzender aus⸗ geſtatteten Kunſtgenoſſen, die glücklichen Bewohner der formen⸗ und farbenreichen joniſchen Küſte und der verſchwenderiſch geſegneten Hochlande von Iran.
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