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Collegen als auch ſeiner Schüler ſah er ſich nach zweimonatlicher treuer und frucht⸗ barer Wirkſamkeit aus Geſundheitsrückſichten genöthigt, von ſeiner Stellung an der hieſigen Anſtalt zurückzutreten. Ueber ſeinen Lebens⸗ und Studiengang hat uns Dr. Adolf Birnbaum Folgendes mitggetheilt:
„Ich wurde geboren den 20. Februar 1827 zu Löwen in dem damaligen König⸗ reiche der vereinigten Niederlande. Nachdem ich einen umfaſſenden Unterricht in elementaren Gegenſtänden erhalten hatte, zunächſt in Bonn am Rhein, dann in Frei⸗ burg im Breisgau, und ſchließlich in Utrecht in dem Königreich der Niederlande, wurde ich als Schüler in das Gymnaſium zu Gießen aufgenommen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalte hierſelbſt trat ich in das Gymnaſium zu Büdingen über und unterzog mich daſelbſt nach einem zweijährigen Aufenthalte der Maturitäts⸗ prüfung.
Im Herbſte 1846 bezog ich die Univerſität zu Gießen, zunächſt in der Abſicht, mich der Bauwiſſenſchaft zu widmen; die ausgezeichnete Vertretung, deren ſich damals an der genannten Hochſchule die Naturwiſſenſchaften erfreuten, wurde mir indeſſen zur Veranlaſſung, dieſem Wiſſenszweige einen großen Theil meiner Zeit zuzuwenden, ſo daß ich unter Anderem auch einen praktiſch analytiſchen Curſus in dem chemiſchen Labo⸗ ratorium des Herrn Juſtus von Liebig abſolvirte. Nachdem ich drei Jahre auf der Univerſität zugebracht, ging ich für ein weiteres Jahr auf die polytechniſche Schule zu Karlsruhe im Großherzogthum Baden. Das darauf folgende Jahr brachte ich wieder in Gießen zu und zwar dießmal ausſchließlich mit vorbereitenden Studien für die den Architekten des Inlandes vorgeſchriebene Facultätsprüfung. Nachdem ich dieſes Examen im Herbſte 1851 beſtanden, trat ich den landesüblichen einjährigen Aecceß bei dem Secretariate der Großherzoglichen Ober⸗Baudirection in Darmſtadt an. Da die Beſchäftigung, welche ich hier vorfand, in bedeutendem Maße freie Zeitverwen⸗ dung geſtattete, ſo beſuchte ich nebenher als Hoſpitant die höhere Gewerbeſchule zu Darmſtadt, vornehmlich zu dem Zwecke, um einen Einblick in die Methode des an dieſer Anſtalt ertheilten Mathematikunterrichtes zu gewinnen. Es hatten ſich nämlich inzwiſchen meine Anſichten über Beruf und Amtsthätigkeit merklich geändert. In Folge deſſen beſchloß ich, die ſeitherigen Beziehungen aufzugeben und in das Lehrfach über⸗ zutreten. In dieſer Abſicht kehrte ich wieder nach Gießen zurück, und nachdem ich ein Jahr ausſchließlich den Naturwiſſenſchaften gewidmet, unterzog ich mich zur Er⸗ langung der philoſophiſchen Doctorwürde einer ſpeciellen Prüfung in Chemie, Phyſik, Mineralogie und Geognoſie. Um jedoch den Anforderungen des Lehramtes nach allen Seiten hin Genüge leiſten zu können, glaubte ich hiermit meine Studien nicht für abgeſchloſſen halten zu dürfen. Indem ich noch einen vollſtändigen philologiſchen Curſus bei Herrn Leopold Schmid abſolvirte, hatte ich verſucht, auch auf dieſem Gebiete mit den Beſtrebungen der Gegenwart mich bekannt zu machen.
Meine Lehrthätigkeit begann mit meinem Eintritt in die mit einer Knaben⸗ erziehungsanſtalt verbundene Schule der Herrn Gebrüder Bender zu Weinheim an


