— 12—
Der allgemeine Schulausflug fand am 14. Mai statt. Während die unteren und mittleren Klassen
ihren halbtägigen Spaziergang, wie gewöhnlich, nicht über die nähere Umgebung von Mainz hinaus aus-
dehnten, statteten Ia und l ab nebst beiden Seminarklassen der Saalburg einen Besuch ab; für 2 ab und 3ab war Hohenstein im Taunus Ziel der Wanderung.
Durch ministerielle Verfügung vom 11. Juni wurde der Lehrerin Frl. Nauheimer auf ihr Nach- suchen ein dreiwöchiger Urlaub zu einer Reise nach England bewilligt; ihre Vertretung übernahmen einzelne Mitglieder des Kollegiums.
Die Wiederimpfung der 1890 geborenen Kinder erfolgte; am 3. Juli; ihr schloss sich acht Tage später die übliche Nachschau an.
Die Verlegung fast sämtlicher Unterrichtsstunden auf den Vormittag im Sommer hat sich aus- gezeichnet bewährt; sie ermöglichte es, dass auch an den heissesten Tagen der Unterricht kaum eine nennenswerte Störung erlitt.
Die Einberufung des Herrn Prof. Dr. L.edroit.: zu einer vierzehntägigen Landwehrübung(am 30. Juli) entzog denselben nur vier Tage lang seinem Schulberufe, da bereits am 3. August die Herbst- ferien ihren Anfang nahmen.
In der zweiten Hälfte des September besuchten sämtliche Klassen mit Ausnahme der Vorschule abteilungsweise unter Leitung der mit dem naturgeschichtlichen Unterrichte betrauten Lehrkräfte die Blumenausstellung des Mainzer Gartenbauvereins.— Dem Zwecke, die Schülerinnen mit einer geeigneten Auswahl naturgeschichtlicher Anschauungsgegenstände bekannt zu machen, diente auch der Besuch von Platow's Universal-Ausstellung für Natur- und Völkerkunde am 9. Dezember, der indes auf die Klassen 4 ab, 5 ab und 6 ab beschränkt wurde.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 20. September wurde dem Oberlehrer Dr. Emil Daub der Charakter als Professor erteilt.
Infolge schwerer Erkrankung musste die Lehrerin Fräulein Auguste von Cordier vom 7. Oktober bis zum Schlusse des Schuljahres beurlaubt werden; mit ihrer Vertretung wurde durch Verfügung Gross- herzoglichen Ministeriums vom 22. Oktober die Hospitantin Frl. Antonie Litzendorff betraut.— Auch Herr Müller wurde dem Schuldienste längere Zeit— vom 21. Oktober bis zum 20. November— ent- zogen, infolge von Scharlacherkrankung eines seiner Kinder.
Am 18. November hatte der Lektor der Grossherzoglischen Landesuniversität, Herr Goetschy, die grosse Liebenswürdigkeit, vor den Seminaristinnen und Schülerinnen der Oberklassen eine Anzahl französischer Gedichte und Prosaabschnitte, deren Auswahl er der Schule überlassen hatte, im Turn- saale unserer Anstalt vorzutragen. Wesentlich erhöht wurde der Wert dieser Veranstaltung gerade dadurch, dass die Zuhörerinnen in den vorgelesenen Stücken mehr oder minder alten Bekannten be- gegneten. Unseren Dank, den wir am Schlusse seines Vortrags Herrn Goetschy bereits mündlich aus- gesprochen haben, gestatten wir uns an dieser Stelle zu wiederholen, mit dem Wunsche, dass er mit ähnlichen Darbietungen unsere Schülerinnen noch öfter erfreuen möge.
Den evangelischen Religionsunterricht fast sämtlicher Schulklassen und des Seminars beehrte am 20. und 21. November der Grossherzogliche Superintendent der Superintendentur Mainz, Herr Ober- konsistorialrat D. Walz, mit seinem Besuche; am Schlusse der eingehenden Visitation sprach der hoch- würdige Herr dem Unterzeichneten gegenüber seine volle Zufriedenheit mit deren Ergebnis aus. . Die Feier der Allerhöchsten Geburtsfeste Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs und Sr. Majestät des Kaisers verlief in hergebrachter Weise. Am 25. November hielt Herr Becker, am 27. Januar Herr Oberlehrer Kraft an die im festlich geschmückten Turnsaale versammelten Schülerinnen eine warm- empfundene Ansprache, wobei ersterer ein„Lebensbild der grossen Landgräfin“ entwarf, während letzterer die Frage beantwortete:„Was schenken wir unserem Kaiser zu seinem Geburtstage?“
Am 1. Februar wohnte der Grossherzogliche Turn-Inspektor, Herr Schmuck, dem Turnunterricht mehrerer Klassen bei.
Unter den auch im abgelaufenen Schuljahre wieder von einzelnen Freunden der Anstalt uns über- wiesenen Geschenken heben wir an dieser Stelle nur die Summe von 200 M. hervor, von der hiesigen Loge„Die Freunde zur Eintracht“ zur Unterstützung hilfsbedürftiger Schülerinnen gespendet, sowie ferner


