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sind zur Widerlegung der erwähnten Bedenken Mitteilungen über die orthographische Beschaffenheit der ersten schriftlichen Arbeiten erforderlich. Wenn ich daher hier im Anschluss an eine kurze theoretische Begründung derartige Mitteilungen aus meinem Unterricht mache, so wird eine falsche Auslegung dieses Vorgehens wohl nicht zu befürchten sein.
Die englische Aussprache und Orthographie gelten für sehr schwer; sie sind es indessen nur, wenn sie gleichzeitig gelehrt werden. Die Aufmerksamkeit des Schülers ist in diesem Falle fort- während geteilt zwischen der Aussprache und der Schreibung, und bei einer Sprache wie der englischen, in welcher beide sich so wenig decken, werden durch das Nebeneinander grosse Schwierigkeiten künstlich erzeugt, die weder im Wesen der Laute, noch in dem der Orthographie begründet sind. Das beständige Sichkreuzen von Schreibung und Aussprache ruft Unklarheit, Verwirrung, Unsicherheit hervor; diese aber erzeugen Unlust, den schlimmsten Feind aller Lernthätigkeit, der beim Beginn eines neuen Gegen- standes ganz bosondors zu fürchten ist..
Ganz anders, wenn Laut und Schrift dem Schüler getrennt entgegengebracht werden. Dann beschäftigt er sich zuerst(in unserem Fall 6 Wochen lang) ausschliesslich mit der Hervorbringung der Laute, ihrer Verbindung zu Wörtern und flüssiger Rede; darnach(in unserem Falle 2 ½ Wochen lang) ausschliesslich mit der Schreibung der ihm lautlich vollständig vertrauten Wörter. Auch hierbei fehlt es nicht an Schwierigkeiten; aber diese erwecken, weil sie nicht aus Unklarheit und Unsicherheit entspringen, keine Unlust-, sondern im Gegenteil Lustgefühle. Es reizt den Schüler, die Schwierigkeiten, die ihm die Hervorbringung gewisser Laute(think, but, etc.) bietet, zu überwinden und es dem Lehrer in der Lautbildung und dem Fluss der Rede gleichzuthun. Und heisst es dann:„Ihr wisst bis jetzt noch gar nicht, wie die Engländer die Wörter schreiben, die ihr seither gelernt habt— und das sollt ihr jetzt erfahren!“ so ist die Prwartung erregt, und die Erlernung der Orthographie, die bei dem gleichzeitigen Betrieb eine wenig erfreuliche Arbeit ist, wird bei dem Nacheinander zu einer neuen Quelle des Interesses. Dieses Interesse wird aber auch leicht wach erhalten durch den Erfolg, d. h. durch die Bana oder fast fehlerfreien Arbeiten, die die Schüler in der ersten Zeit zu liefern im Stande sind.—
Im Gegensatz zu der vielfach gehegten Befürchtung wird nämlich durch die Bekanntschaft mit der Lautschrift die Aneignung der Orthographie durchaus nicht erschwert, wenigstens nicht bei dem von mir eingeschlagenen Verfahren, von dem allein ich aus Erfahrung reden kann. Bei diesem Verfahren wird die Lautschrift überhaupt nicht gelernt. Die Schüler schreiben die Wörter und Sätze von der Tafel in ihre Hefte ab(auch das könnte unterbleiben, wenn das Lehrbuch einen Vorkurs in phonetischer Schrift böte!), dann aber beschäftigen sie sich mit der Schrift als solcher gar nicht mehr. Die Wörter im Heft sind ihnen nur Bilder der Aussprache, sie lesen sie nur, aber sie prägen sich die Schreibung nicht ein, sie schreiben sie weder zu Hause noch ein zweites Mal in der Schule. Unter diesen Umständen verschwindet die Erinnerung an die phonetischen Wortbilder beim Übergang zur gewöhnlichen Ortho- graphie überraschend schnell. Nur ganz vereinzelt hat sich in die ersten Arbeiten meiner Schüler einmal ein phonetisch geschriebenes Wort eingeschlichen, z. B. nou statt no. Den besten Beweis für das Gesagte liefern die Ergebnisse der nach Pfingsten in rascher Folge geschriebenen drei ersten Klassen- arbeiten*).(Censierung: bei 0O Fehlern I, bei 1 F. II, bei 2 F. II, bei 3—4 F. IV, bei 5 F. V, Bei 6 und mehr F. VI).
I.. II. III. IV. V. VI.
I. Diktat(15. Juni): 13 Schüler, 7 Schüler, 0 Schüler, 1 Schüler, 1 Schüler, 0 Schüler. II. Diktat(21. Juni): 12„ 719„ 1„ 12„ 0 e, 1 8„ III. Exercitium(26. Juni): 16„ 4„ 129, 0„ 0„ 1„
*) Zur besseren Beurteilung sei auch der Text dieser Arbeiten mitgeteilt: I. All men must learn. Nou must go home now, my boys, you must learn, you must do your task. I have to do my task. The boy must make haste to do his task. Vou must not learn now, you must go out on this fine day. Go home, my poor boy! Look, here is my book! Here are many men. Our fire must be out. More air!— II. The boys go to school; they stand up and speak to the teacher; they do their tasks; they are busy. This house is a school-house. These poor girls have not much pleasure. The teacher has a hat on his head, the boys have caps on their heads. We had a bird; the bird had a fine head; the bird is dead now; we sob over the dead bird. Go and get me my book; give me my book.— III. Ich bin euer Lehrer, ihr seid meine Schüler; ihr geht zur Schule; ihr wünscht Englisch zu lernen. Deutsche Knaben und Mädchen gehen im allgemeinen zur Schule, wenn sie sechs Jahre alt sind. Der Lehrer hat alle seine Schüler zu prüfen; er hat viel zu thun. Unsere Ferien sind lang; sie sind länger als eure Ferien. Wir erwarten unsere Königin um sechs. Dieser Mann hat einen Sohn; sein Sohn ist gerade . fünf Jahre alt. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.


