Aufsatz 
Fürst Bismarck : Rede, gehalten am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, 27. Januar 1897 / von Otto Ankel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XV

Freude trägt, den unberufenen Sonntagsreiter aber mit samt seiner schwarz-rot-goldenen Zäumung auf den Sand setzt.

Nur ungern hat Preussen auf seine Uinionspläne verzichtet. Um den Preis eines Krieges wäre die Erfüllung wohl möglich gewesen, und schon schien es, als sollten die kurhessische und schleswig-holsteinische Frage den Anlass geben zur blutigen Abrechnung zwischen Preussen und Osterreich da schied zu Bismarcks grösster Freude von Radowitz aus dem Ministerium aus, und auf dem Tage in Olmütz, im Noveinber 1850, beugte sich Preussen der von Russland unter- stützten Politik des Fürsten Schwarzenberg. Bismarck übernahm auf Wunsch der preussischen Regierung die keineswegs dankbare Aufgabe, die traurige diplomatische und politische Niederlage Preussens in Olmütz, wesentlich unter dem militärischen Gesichtswinkel und um die Regierung gegen den Radikalismus zu stützen, zu verteidigen. Nicht als ob er die Schmach nicht tief em- pfunden hätte! Aber einen Krieg war ihm die Union nicht wert. Es ist eine oratorische Leistung ersten Ranges, diese Verteidigungsrede vom 3. Dezember 1850. Auf den Krieg hinweisend, der entbrennen würde, wenn Preussen auf seinen Plänen bestünde, meinte Bismarck, das seikein Feldzug einzelner Regimenter nach Schleswig oder Baden, keine militärische Promenade durch unruhige Provinzen, sondern ein Krieg im grossen Massstabe gegen zwei unter den drei grossen Kontinental- mächten, während die dritte beutelustig an unserer Grenze rüstet und sehr wohl weiss, dass im Dom zu Köln das Kleinod zu finden ist, welches geeignet wäre, die französische Revolution zu schliessen und die dortigen Machthaber zu befestigen, nämlich die französische Kaiserkrone.... Dennoch würde ich vor diesem Kriege nicht zurückschrecken, ja, ich würde dazu raten, wenn je- mand imstande wäre, mir die Notwendigkeit desselben nachzuweisen oder mir ein würdiges Ziel zu zeigen, welches durch ihn erreicht werden soll und ohne den Krieg nicht zu erreichen ist. Warum führen grosse Staaten heutzutage Krieg? Die einzig gesunde Grundlage eines grossen Staates.... ist der staatliche Egoismus und nicht die Romantik. Mit glücklicher Ironie ver- spottete er die Ankläger Manteuffels als die Anhänger der Radowitzschen Union. Und für diese hätte Preussen fechten sollen?Es würde nicht lange dauern, dass den Unionsmännern von kräftigen Fäusten die letzten Fetzen des Unionsmantels heruntergerissen würden, und es würde nichts bleiben, als das rote Unterfutter dieses sehr leichten Kleidungsstückes. Die Frage der preussischen Hegemonie war damals für Bismarck noch nicht vorhanden; Bundestreue und Hand- inhandgehen mit Osterreich schienen ihm die für Preussen erspriesslichste Politik zu sein.Ich nuche die preussische Ehre darin, dass Preussen vor allem sich von jeder schmachvollen Verbindung mit der Demokratie entfernt halte, dass Preussen... nicht zugebe, dass in Deutschland etwas geschehe ohne Preussens Einwilligung, dass dasjenige, was Preussen und sterreich nach gemeinschaftlicher unabhängiger Erwägung für vernünftig und politisch richtig halten, durch die beiden gleichbe- rechtigten Schutzmächte Deutschlands gemeinschaftlich ausgeführt werde.

Ohne andre greifbare Resultate in nationaler Hinsicht, als die Einsicht völliger Ohnmacht in Sachen Bundesreform und Einheit waren so die Jahre 48, 49 und 50 verflossen. Gemäss den Abmachungen von Olmütz wurde jetzt der Bundesleiche neues Leben eingehaucht, und der Bundes- tag kehrte nach Frankfurt a. M. zurück. Noch fünfzehn Jahre Galgenfrist waren ihm vergönnt; dann jagte der Mann, der eben an dem grünen Tisch in der Eschenheimer Gasse Platz nahm, die ehrenwerte Gesellschaft endgültig auseinander. Im Mai 51 wurde Bismarck mit dem Titel eines