XIV
halten abgeschlossene Dreikönigsbündnis, das der Kern zu einem Deutschland ohne österreich unter preussischer Führung bilden sollte. Der Unionsgedanke war durch Österreichs ablehnende Haltung glücklicherweise hinfällig geworden, aber auch für den engern Plan eines preussisch- deutschen Bundes konnte sich Bismarck nicht begeistern. Er fürchtete von seiner Verwirklichung lähmende Wirkungen für Preussen, das im Hinblick auf die Zukunft und ihre Aufgaben unge- schmälert zu erhalten und dessen Kraft zu stärken, für Bismarck die vornehmste Aufgabe war.„Der vorliegende Verfassungsentwurf, sagte er am 6. September, vernichtet das spezifische Preussentum; da- mit aber vernichtet er den besten Pfeiler deutscher Macht. Wer hat denn das, was in Deutschland zu halten war, gehalten? Es war wahrlich nicht die Frankfurter Versammlung.... Was uns ge- halten hat, war gerade das spezifische Preussentum. Es war der Rest des verketzerten Stock- preussentums, der die Revolution überdauert hatte, die preussische Armee, der preussische Schatz, die Früchte langjähriger intelligenter preussischer Verwaltung und die lebendige Wechselwirkung, die in Preussen zwischen König und Volk besteht. Es war die Anhänglichkeit der preussischen Bevölkerung an die angestammte Dynastie, es waren die alten preussischen Tugenden von Ehre, Treue, Gehorsam und die Tapferkeit, welche die Armee, von deren Knochenbau, dem Offizier-Korps, ausgehend, bis zu den jüngsten Rekruten, durchziehen. Diese Armee hegt keine dreifarbigen Be- geisterungen, in ihr werden Sie ebenso wenig, als in dem übrigen preussischen Volke, das Bedürf- nis einer nationalen Wiedergeburt finden. Sie ist zufrieden mit dem Namen Preussen und stolz
auf den Namen Preussen.... Das Volk, aus dem diese Armee hervorgegangen ist, dessen wahrster Repräsentant diese Armee ist,.... hat kein Bedürfnis, sein preussisches Königtum- verschwinden zu sehen in der fauligen Gährung süddeutscher Zuchtlosigkeit.... Dieses Volk, meine
Herren, was es will, das wollen wir auch mit ihm. Alle Redner, welche ich gehört habe, wollen es, nur auf verschiedenem Wege. Wir alle wollen, dass der preussische Adler seine Fittiche von der Memel bis zum Donnersberge schützend und herrschend ausbreite, aber frei wollen wir ihn sehen, nicht gefesselt durch einen neuen Regensburger Reichstag und nicht gestutzt an den Flügeln von jener gleichmachenden Heckenschere aus Frankfurt... Preussen sind wir, und Preussen wollen wir bleiben; ich weiss, dass ich mit diesen Worten das Bekenntnis der preussischen Armee, das Bekenntnis der Mehrzahll meiner Landsleute ausspreche, und hoffe ich zu Gott, dass wir noch lange Preussen bleiben werden, wenn dieses Stück Papier vergessen sein wird wie ein dürres Herbstblatt.“ Im Oktober 49 sagten sich infolge mittelstaatlicher Intriguen und Österreichs Drohungen Sachsen und Hannover, die sich nur aus Angst vor der Revolution unter die Fittiche des preussischen Aars geflüchtet hatten, von dem Bündnis los, und so blieb wenig Aussicht auf Verwirklichung. Auch im deutschen Parlament, das im März und April 1850 in Erfurt tagte, trat Bismarck gegen die Unionsverfassung auf, wodurch, wie er in einer Rede am 15. April sagte, 16 Millionen Preussen von 5 Millionen Nichtpreussen majorisiert würden. Mit dem Abgeordneten Stahl bekannte er:„Darum ist unsere Losung nicht: Bundesstaat um jeden Preis, sondern: Unversehrtheit der preussischen Krone um jeden Preis.“ „Wenn Sie dem preussischen, dem altpreussischen Geiste, nennen Sie ihn stockpreussisch, wenn Sie wollen,— so sagte er in jener Rede des 15. April— nicht mehr Konzessionen machen, als bis jetzt in dieser Verfassung geschehen ist, dann glaube ich nicht an eine Verwirklichung der- selben, und wenn Sie sich bemühen, diese Verfassung diesem preussischen Geiste aufzuzwängen, so werden Sie in ihm einen Bucephalus finden, der den gewohnten Reiter und Herrn mit mutiger


