Aufsatz 
Das naturgemäße Turnen an den höheren Schulen. Anhang: Erläuterungen zu den dem Widerstein'schen Rollen- und Hebelwerke zu Grunde liegende Prinzipien
Entstehung
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Einen höchſt zweckmäßigen und vielleicht allen Anforderungen hinſichtlich einer ſtufenweiſen, ſyſtematiſchen Ausbildung aller den Körper ſtreckenden Muskeln entſprechenden Apparat hat Widerſtein) durch Conſtruction eines Rollen⸗ und Hebel⸗Werkes hergeſtellt, vermittelſt deſſen an die Stelle des lebendigen Belaſtens des Gymnaſten das abwechſelnde Gewicht genommen und mit möglichſt genauer Berückſichtigung der möglichen Gelenkbewegungen und Muskeln der Körper ſyſtematiſch kräftig und gewandt gemacht wird. Eine genaue Beſchreibung dieſes Appa⸗ rates, der auch in hieſiger Gdgend unter den Turnern großen Beifall findet und der eigent⸗ lich in jeder Turnanſtalt aufgeſtellt ſein ſollte und dem die allſeitigſte Einführung und Benutzung gewünſcht wird, iſt gegeben inDeutſche Turnzeitung red. v. F. Goetz. Leipz. 1860. Nr. 24 p. 141 ff. Da der Raum dieſer Zeilen eine eingehende Beſprechung dieſes Geräthes nicht geſtattet, daſſelbe aber zu den für Anfänger ſo wichtigen und unentbehrlichen Vorübungen ein außerordentlich förderndes Ausbildungsmittel iſt, beſonders da durch daſſelbe nicht nur mit den Armen, Händen und Fingern, ſondern auch mit den Schenkeln, Beinen und Füßen die verſchiedenſten möglichen Uebungen gemacht werden können, ſo mögen mit wenigen Worten die Prinzipien angegeben werden, die Widerſtein bei der Conſtruction deſſelben im Auge hatte. Derſelbe ſagt:Mit Hülfe dieſes Rollen- und Hebelwerkes glaube ich alle Theile des Körpers, auf welche bei dem Turnen Rückſicht genommen wird, ſtufenweiſe und natürlich ohne viel Zwang ausbilden und kräftigen zu können; es iſt dieß eine ſo ſyſtematiſche Ausbildungsweiſe, daß ſtufenweiſe, je nach der Kraft, die Muskeln erzogen werden, und Jeder dieſelbe Uebung, natür lich mit verſchiedener Belaſtung, wie der Andere machen kann. Es ſind dieſe Uebungen nach den verſchiedenen Gelenken und Stellungen leicht aufzufinden und entſprechen dieſelben in den verſchiedenſten Stellungen des Körpers am meiſten denen, die dieſer bei den verſchiedenen(Be⸗ rufs⸗ Arbeiten einnehmen und mit Kraft und Ausdauer durchführen muß.Bei dem Turn⸗ ſyſtem von Jahn, Eiſelen u. ſ. w. iſt, mit Ausnahme der Stab-, Hantel- und Gewichtſtein⸗ übungen, immer der eigene Körper die Laſt, die, um eine Bewegung auszuführen, überwunden werden mußte. Wurde dieſe auch je nach den verſchiedenen Stufen im Turnen auf beide Arme und Beine vertheilt, oder die mangelnde Kraft durch Schwung erſetzt, immer iſt die Be⸗ laſtung, beſonders bei Anfängern, zu ſchwer und in zu großen Sprüngen abwechſelnd und deßhalb vielfach unnatürlich und gewaltſam.Durch das genannte Rollen- und Hebelſyſtem wird die zu überwindende Laſt außerhalb des Körpers gelegt, und dieſem nur nach ſeinem Kraftmaß eine Belaſtung mit ſtufenweiſer Steigerung gegeben. Es werden nach dieſem Syſteme alle Freiübungen ausgeführt mit ſteigender Belaſtung und alle Uebungen am Reck, Barren und Pferd in ihren einzelnen Grundbewegungen ſtufenweiſe vorgenommen. Wer an dieſen Rollen⸗ zügen, die zugleich die einfachſten Kraftmeſſer ſind, jeden Tag die einzelnen Gelenke durchübt und ſo weit geſtiegen iſt, daß er die Gewichte anzieht und ſtemmt, welche ſein körperliches Gewicht repräſentiren, der wird mit Leichtigkeit und ohne Turnweh, auch wenn er ſchon älter iſt und ſpät mit dem Turnen beginnt, das ſchöne und kräftigende Turnen an den Geräthen

*) Dr. med. Widerſtein in Herborn, der ſich mit einſichtsvoller Sachkenntniß und rühmenswerthem Eifer die Förderung und Belebung der Turnſache angelegen ſein läßt und dem ich manche ſchätzbare Mittheilung verdanke, wofür ich ihm hiedurch meinen Freundesdank ausſpreche.