Aufsatz 
Das naturgemäße Turnen an den höheren Schulen. Anhang: Erläuterungen zu den dem Widerstein'schen Rollen- und Hebelwerke zu Grunde liegende Prinzipien
Entstehung
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ſie nicht ſchon vorher einen bedeutenden Grad von Kraft, Gewandtheit und Muskelkraft zum Turnen hatten, es kaum dahin bringen, eine kühnere Uebung von höherer Gewandtheit zu produciren, und daß Jüngere und Schwächere, die der Laſt ihres Körpers nicht gewachſen waren, vielleicht gänzlich von dem Turnen abgeſchreckt worden ſind.

Soll nun ſolchen Erſcheinungen vorgebeugt werden, und den turneriſchen Uebungen nicht der Schein einer vielfach nachtheiligen Künſtelei verliehen werden, ſo iſt es die erſte Haupt aufgabe, die Anfänger und ſchwächeren Turner ſtufenweiſe, ohne Künſtelei, bis ſie der Laſt ihres Körpers gewachſen ſind, und ihre Muskeln und Gelenke allmählich durch ſteigende Be⸗ laſtung und ohne Unterſtützung eines Vorturners oder Turnlehrers ſo auszubilden, daß ſie mit Kraft und Sicherheit die Uebungen der ganzen Turnſchule nach den einzelnen Stufen zu höherer Ausbildung des Körpers, zu Kraft, Gewandheit und Ausdauer ausführen.

Die genannten Vorübungen nun, durch welche der jugendliche Körper vorgebildet werden ſoll zur zweckmäßigen und naturgemäßen Verrichtung ſolcher Uebungen, bei denen auch die eigene Körperlaſt zu überwinden iſt, alſo der eigentlichen gymnaſtiſchen Uebungen, ſind indeß nicht bloß jene Freiübungen im engeren Sinne, wie ſie auch Spieß) verſteht, d. h. ſolche Uebungen, die ohne alle Unterſtützungsmittel der Bewegung nur durch die Gelenkigkeit der zur Bewegung beſtimmten Glieder ausgeführt werden; ſie allein würden noch nicht in innerem Zuſammenhange mit allen Kräften des Organismus ſtehen, ſondern nur aus der Leiſtungs⸗ fähigkeit der Muskeln abgeleitet werden und eine ſyſtematiſche, methodiſche Durchbildung des Körpers keineswegs erzielen. Als Vorübungen ſind auch diejenigen Uebungen zu betrachten, die, den Uebergang zum Geräthturnen vermittelnd, den Körper allmählig gewöhnen, eine außer ihm liegende Kraft zu bewältigen. Dieß ſind die leider noch nicht genug ausgebildeten Stab⸗ und Hanteluͤbungen, woran ſich die Rücken- und Bauchmuskeln ſo ſehr ſtärkenden Stemm uͤbungen im weiteſten Sinne anreihen. Bei den gewöhnlichen Uebungen am Reck und Barren, wo der Körper meiſt in vertikaler oder dieſer ſich nahenden Lage befindet, ſind, außerdem, daß hauptſächlich nur die Thätigkeiten des Beugens und Ziehens(Hangübungen) vorgenommen werden, jenem zu wenig Unterſtützungspunkte gegeben, und es gehört ein ſchon an ſich bedeu tendes Kraftmaß dazu, ihn in dieſer Stellung zu erhalten, geſchweige, ihn dabei zu bewegen. Iſt nun aber bereits bei den früheren Uebungen darauf Rückſicht genommen worden, daß der Körper nicht nur in ſenkrechter, ſondern auch in ſchiefer Stellung ſich zu bewegen gelernt hat, ſo wird er auch in dieſer zu verharren im Stande ſein bei ſolchen Uebungen, wo die zu über⸗ windende Laſt nicht außerhalb des Körpers, ſondern dieſer geradezu ſelbſt iſt. Um dieſes erreichen zu können, müſſen vor Allem den Hantel-, Stemm-, Heb- und Zieh⸗Uebungen eine größere Ausdehnung und Ausbildung gegeben werden, als man dieß gewöhnlich thut.**)

*) Spieß,Lehre der Turnkunſt I. p. 3:Uebungen, welche, abgeſehen von Geräthen, ſich mit turneriſcher Entwickelung des Leibes an ſich, während der gewöhnlichen Zuſtände deſſelben(in Stehen, Gehen, Huüpfen, Laufen, Drehen) beſchäftigen.

**) Von Schreber'sPangymnaſtieon, Leipzig 1862. konnte der Verfaſſer bei Abfaſſung dieſer Abhandlung noch keine Einſicht nehmen.

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