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gleichfalls Entwickelung des ganzen Koͤrpers und Herſtellung des nöthigen Gleichgewichtes zwiſchen geiſtiger und körperlicher Thätigkeit ſich zur Aufgabe mache, ſich mehr mit geſchickter, kunſtgerechter Handhabung des eigenen Körpers in den mannichfachſten Lagen befaſſe,*) ſo iſt zu berückſichtigen, daß für die Anfaͤnger im Turnen, und als ſolche müſſen unſere Schüler be⸗ trachtet werden, die Ueberwindung der mit dem eigenen Körper gegebenen Maſſen bei der noch nicht vollendeten Knochen- und Bänderbildung, in dieſem jugendlichen Alter für die gedeihliche Entwickelung höchſt gefährlich iſt, indem, wie das vielfach geſchieht, die Muskelkraft überladen und die Gelenke gezerrt werden, wodurch das Turnen nur nachtheilig werden kann. Bei den Gelenk- und leichteren Freiübungen ſind die Arme und Beine die bewegten Theile mit Unter⸗ ſtützung des Körpers auf dem Boden durch den einen Fuß oder durch beide Füße; bei dem Geräthturnen iſt der ganze Körper meiſt der bewegte Theil, und ſind die Hände zum Stütz und Hang nebſt Ellenbogen und Kniegelenk die feſten Anhaltspunkte, und bei dem Springen die Füße, und abwechſelnd die Hände bei dem Schwingelturnen. Aber der Uebungen, wo der Körper durch die Hände und Füße zugleich unterſtützt und als ein zwiſchen dieſen ſich bewe— gender Theil mit leichterer und ſchwererer Belaſtung unter Benutzung der ganzen Gelenkbeweg— lichkeit bewegt wird, ſind nur wenige.
Alle Thäͤtigkeiten des Körpers in Bewegungen und Haltungen durch Einwirkung der Muskeln in ihrer Zuſammenziehung und Ausdehnung auf die Knochen ſind Ueberwindung eines Widerſtandes oder Bewältigung einer Laſt. Dieſer Widerſtand liegt theilweiſe in einzelnen Theilen des Körpers oder in dem ganzen Beſtande deſſelben, wie bei dem Turnen am Reck, Barren, Pferd, Bock, bei dem Springen und Klettern, bei dem Ringſchwebel u. ſ. w., kurz bei den meiſten Uebungen an Geräthen; theilweife liegt er außerhalb des Körpers und wird benutzt als Hanteln, Stäbe, Gewichte, Kugeln, Waffen, bei dem Ringen und Schwimmen, und ſind hierbei die mitbewegten Körpertheile noch als Laſtvermehrung zu betrachten.
Soll alſo die körperliche Erziehung eine ſyſtematiſche ſein, ſo muß die Belaſtuug eine in ſteigender Form mögliche ſein, und muß außerdem die Richtung der Schwerkraft nicht die ein— ſeitige, nach unten, ſondern eine in allen Richtungen wirkende ſein.
Bevor man alſo zu Uebungen an Geräthen, wie Reck, Barren, Schwingel, Kletter⸗ und Stangengerüſt, Leiter u. ſ. w. übergeht, muß der jugendliche Körper unter richtiger Beurtheilung des Kraftmaßes der einzelnen Muskeln, nur allmählig und ſtufenweiſe und methodiſch zu erhöhter Befähigung vorgebildet ſein, damit er nicht durch Ueberwindung ſeiner eigenen Belaſtung gleichzeitig zu einer allzu ſchweren Thäͤtigkeit angeſtrengt werde. Störungen in der Athmungs⸗ thätigkeit, Hemmungen des Blutlaufes und Blutüberfüllungen ſind nicht ſelten die Folgen ſolcher dem noch nicht erſtarkten und kraftgeübten Körper des jungen Turners keineswegs zu⸗ ſagenden Uebungen. So iſt z. B. die erſte gewöhnliche Uebung am Barren und Reck(Hang— und Ziehklimmen im Auf- Unter- oder Zwiegriff) für Anfänger eine viel zu ſchwierige, indem die Muskeln für dieſe Thäͤtigkeit noch zu ſchwach ſind. Es ließen ſich noch viele ſolcher ge— wöhnlich zu den Anfangsgründen der Gymnaſtik gerechneter Uebungen anführen, die nichts weniger, als naturgemäß zu bezeichnen ſind. Daher iſt es auch gekommen, daß Viele, wenn
*) vgl.„Deutſche Turnzeitung“ Leipz. 1860. P. 135 ff.


