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Schon aus dieſen wenigen Worten über den Nutzen, welchen die körperlichen Uebungen für die Geſundheit des Körpers gewähren, möchte ſich hinlänglich ergeben, daß dieſelben ein nothwendiger und unentbehrlicher Beſtandtheil in der Erziehung unſerer Jugend ſeien. Hieran reiht ſich aber ſofort die Frage:„Sind die körperlichen oder ſogenannten gymnaſtiſchen Uebungen in der Art, wie ſie gewöhnlich betrieben werden, auch für die gedeihliche Entwickelung und Kräftigung des jugendlichen Körpers geeignet?“
Die Beantwortung dieſer Frage würde zunächſt auf eine Beurtheilung und Beleuchtung der in der Turnkunſt verſchiedentlich angewandten Syſteme und Methoden führen. Da indeß hiedurch der Zweck, den wir hier zunächſt im Auge haben müſſen, nicht erfüllt würde, indem es vielmehr Abſicht iſt, darzuthun, daß, wie bei allem Unterrichte nur durch ſtufenweiſe, von dem Leichteren zum Schwereren übergehende Bildungsweiſe zu verfahren iſt, ſo auch bei dem gymnaſtiſchen Unterrichte*) nur ſtufenweiſe, durch vorſichtig gewählte Vorbildung das Ziel einer naturgemäßen Körperentwickelung zu erreichen ſei, ſo ſoll auf einige Umſtände aufmerkſam ge⸗ macht werden, die bisher nicht genug gewürdigt zu ſein ſcheinen, obwohl ſie für das in der Pubertät ſich befindende Alter die höchſte Beachtung verdienen.
Das Turnen, als künſtliche Bewegung und Arbeit des Körpers, hat zwei Hauptaufgaben zu erfüllen: erſtens die Ausbildung der einzelnen Gelenke und beweglichen Körpertheile zu ihrer vollen Beweglichkeit; zweitens die Ausbildung der jene in Bewegung ſetzenden und in ihrer Stellung haltenden Muskeln oder Fleiſchtheile des Körpers. Die Grundlage des Turnens iſt nun Erkenntniß aller möglichen Körperbewegungen und Durch⸗ arbeiten dieſer bei den Anfangsubungen, was wohl noch nicht genug berückſichtigt wird in den Gelenk⸗ und Freiübungen, die vor Allem beſonders durchgearbeitet und zu den für alle An⸗ fänger im Turnen vortrefflich, ja faſt ausſchließlich nur ſich eignenden ſogenannten Gemein⸗ uͤbungen und Ordnungsübungen mit großer Gründlichkeit erweitert zu haben, gerade als das Hauptverdienſt der Spieß'ſchen Verbeſſerungen in der Turnkunſt und ſomit als glückliche Ver⸗ mittelung der deutſchen Gymnaſtik mit der ſchwediſchen angeſehen werden muß, was aber von den Wenigſten genug gewürdigt wird.
Wenn von Gegnern des ſchwediſchen Syſtems hervorgehoben wird, daß es ſich, mit we⸗ nigen Ausnahmen auf die Ueberwindung eines lebenden Widerſtandes beziehe, welcher einer⸗ ſeits wechſelvoll in ſeiner Einwirkung, andrerſeits zäh ſei, wogegen das deutſche Syſtem, das
*) Würde das Turnen an allen deutſchen Schulen„als nothwendiger Beſtandtheil in der Erziehung der männ⸗ lichen Jugend gepflegt“, wie ſchon ein im Jahre 1842 publieirter königl. preußiſcher Miniſterial⸗Erlaß ſich ausſpricht, würde es alſo geradezu zu einem obligatoriſchen Unterrichtsgegenſtande erhoben, ſo würde es, abgegrenzt wie jeder andere Lehr⸗ und Erziehſtoff nach Bedeutung, Umfang, Methode u. ſ. w., von ſelbſt jedes fremdartige Element in ſich ausſchließen, es würde ein Gemeingut Aller werden und nun und nimmer den Charakter eines Beſonderen, eines Idealismus und einer Schwärmerei(vgl. Kawerau a. a. O.) an ſich tragen, es würden alle Vorurtheile und Bedenken, die demſelben, oft verſchuldet, oft unverſchuldet, entge⸗ gentreten, verſchwinden.„Der Staat,“ ſagt Maßmann in„die neue Turnanſtalt zu München“ ib. 1838, „behält einfach das Weſen und den Geiſt des Turnens in ſeinen Händen. Vermeinte Gefahr kommt dann wahrlich nicht von Turnplätzen, wie nicht von Hochſchulen, ſondern von einem allgemein bis in die Tiefen des Volkslebens eingedrungenen Gifthauche, den nur ein reines, friſches Jugendleben überdauert.“


