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ſelbſt, ſowie ganz beſonders dazu, daß die einzelnen Glieder und Muskeln nicht aus dem Ge⸗ brauche herauswachſen und ſo eine Unbeholfenheit des Körpers begründen, theils auch dazu, damit das Wachsthum der einzelnen Glieder gegen einander im Verhältniß bleibe, und zu frühe Geſchlechtsentwickelung vermieden werde. Der unſeren höheren Schulen anvertrauten Jugend, die vom neunten bis zwanzigſten Jahre im Durchſchnitt täglich acht bis zehn Stunden, oft in gebückter Stellung, wo Bruſt- und Bauchmuskeln in einer anhaltenden und unzweck⸗ mäßigen Lage zuſammengepreßt werden, theils zum Unterrichte, theils zur häuslichen Vorbe⸗ reitung dazu angeſpannt erhalten wird, verbleibt für ihre freiwillige Erholung wenig Zeit, und die ihr von Natur zukommende Friſche, Luſt und Geſundheit, um ihren Pflichten getreulich nachkommen zu können, fehlt ihr.
Die körperlichen Uebungen zeigen aber nicht bloß auf das Gedeihen*) des Körpers über⸗ haupt einen weſentlichen Einfluß, ſondern ſind die trefflichſten Mittel zur Erlangung von kör⸗ perlicher Kraft und Gewandheit.**) Körperſtärke erlangt man nicht durch gutes Eſſen und Trinken allein. Dann müßten die Perſonen aus den höheren Ständen die meiſte Körperkraft beſitzen. Dieß iſt nun gerade nicht der Fall; vielmehr werden ſie von Leuten des niederen Standes, die bei geringer Nahrung täglich ihre Glieder anſtrengen, weit übertroffen. Uebung macht ſtark, und hierauf iſt gerade die Gymnaſtik berechnet.***) Die Natur fordert die Uebung aller Muskeln, von denen ſie keinen zwecklos ausgebildet hat, durch eine reichhaltige Bethätigung mit allen nur möglichen Bewegungsformen. Junge Leute, die keine Gelegenheit und Anleitung zu zweckmäßigen körperlichen Anſtrengungen erhalten, bleiben in der Regel mehr oder weniger ungeſchickt und unbeholfen. Wie ſehr daſſelbe in manchen Verhältniſſen des Lebens oft uner⸗ freulich, ja bedauerlich iſt, zeigt ſich in den Fällen, wo es gilt, das eigene Leben oder das Leben ſeiner Mitmenſchen mit dem kraftgeübten Körper zu retten. Gehört es doch auch zur Erziehung, die Jugend anzuleiten, nach männlichem Muthe zu ſtreben, der, ſowie Seelengröße, auf körperlicher Stärke und Geſchicklichkeit, wenn auch nicht ſich gründet, wenigſtens doch ohne ſie nicht fruchtbar thätig werden kann.
*) Schreber,„das Buch der Geſundheit,“ Leipzig 1861. p. 104 ſagt:„Wir finden in den Turnübungen, abgeſehen von den Vortheilen der Körperbewegung im Allgemeinen, auch ein Schutzmittel gegen die meiſten durch Fall, Stoß, Erſchütterung oder heftige Körperanſtrengung bewirkten Verletzungen, wie Bruchſchäden, Verrenkungen u. dgl., eben weil die geübteren Muskeln der äußeren Gewalt ſtärkeren und entfprechenderen Widerſtand zu leiſten vermögen, als dieß bei ſchwächlichen und unbehilflichen Menſchen der Fall iſt. Ueber⸗ haupt aber wird, wenigſtens mittelbar, die Widerſtandskraft des Körpers auch gegen alle übrigen geſund⸗ heitswidrigen Einflüſſe dadurch beſonders erhöht und befeſtigt, und ſomit der Körper weniger krankheits⸗ empfindlich, gleichwie viel fähiger gemacht zur Ertragung von Strapatzen aller Art.“
**) Schilling,„die Orthopädie der Gegenwart,“ Erlang. 1860, ſucht die Anſicht, daß durch vermehrte Thä⸗ tigkeit die Muskeln geſtärkt werden, phyſiologiſch zu beſtreiten. Ohne dieſem Verſuche weiter entgegen treten zu wollen, ſei nur bemerkt, daß jede Kraft durch Uebung geſtärkt und erhöht wird.
rn) Spieß,„Turnlehre“ IV. p. 6 ſagt:„Das Turnen umfaßt in ſeinem Gebiete die geſammte Leibesübung des Menſchen; alle Leibeskünſte und Fertigkeiten im Dienſte der verſchiedenen Zwecke im Leben beruhen auf turneriſchen Vorbereitungsmitteln und das iſt gerade das Weſentliche und der Hauptumſtand, der das Tur⸗ nen zu einer rechten Lebenskunſt macht; ſie wurzelt in dem Leben, dem ſie überall mittelbar oder unmittel⸗ bar dient,“


