Aufsatz 
Das naturgemäße Turnen an den höheren Schulen. Anhang: Erläuterungen zu den dem Widerstein'schen Rollen- und Hebelwerke zu Grunde liegende Prinzipien
Entstehung
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Bezüglich des Erſteren, daß die Leibesuͤbungen für die gedeihliche Entwickelung und Kräftigung des Koͤrpers ein entſprechendes Mittel ſeien, fehlt es nicht an ärztlichen Stimmen, welche dieſelben nicht nur empfehlen, ſondern für nothwendig erklären, ja zahlreiche Aerzte haben die Leibesübungen in den Kreis ihrer Heilmittel für die leidende Menſchheit gezogen.

Es dürfte ſomit nicht nur nicht unintereſſant, ſondern zweckmäßig erſcheinen, ihre Bedeu⸗ tung von dem phyſiologiſch-pathologiſchen Standpunkte aus zu beleuchten.Ohne Blut und ſeinen Lauf, ſagt der bekannte und um populäͤre Verbreitung der Kenntniß des menſchlichen Körpers ſo verdiente Dr. E. Bock) in Leipzig,ohne die nöthige Menge und Miſchung des Blutes, ſowie ohne die richtige Cirkulation deſſelben keine Geſundheit.Aus dem Blute quillt das Leben.Alle Ernährung und Abſonderung geſchieht vom Blute aus, und dieſes ſelbſt muß, um dieſem Prozeſſe ordentlich vorſtehen zu können, gehörig ernährt und in ſeiner Miſchung erhalten werden, es muß immerfort neue nahrhafte Stoffe aufnehmen und dafür die alten, unbrauchbaren mittelſt der Abſonderungen(durch Lungen, Nieren, Haut und Leber) wieder abſetzen, denn das Blut nimmt ebenſo die zerfallene aufgelöſte Subſtanz der Gewebe wieder in ſich auf, als es den bildenden Stoff an die Organe austheilt. Wegen dieſes fort⸗ währenden Stoffwechſels wird das Blut im ganzen Koͤrper umhergetrieben und kommt ſo mit allen Organen und deren Elementen in Berührung. Deßhalb halte man ſtets auf genug und auf gutes Blut und unterſtütze deſſen Lauf durch die einzelnen Organe des Köͤrpers, ſo gut man kann. Das Zuſtandekommen des Blutlaufes iſt vom Herzen, vom Athmen und von den Muskelthätigkeiten abhängig. Um willkührliche Bewegungen ausführen zu können, bedürfen wir zuvörderſt eines Willens und dann der Bewegungsorgane. Der Wille iſt eine Thätigkeit unſeres Gehirnes, und dieſe Thätigkeit, allmählich durch aͤußere Eindrücke angefacht, geht hier nach Beſchaffenheit der Hirnſubſtanz, ſowie nach der Gewöͤhnung(Uebung, Erziehung) der⸗ ſelben beſſer(kräftiger) oder ſchlechter(ſchwächer) vor ſich. Die Bewegungsorgane ſind die an bewegliche Theile, beſonders an Knochen und Knorpeln befeſtigten Muskeln(das Fleiſch). Durch Nervenfaſern, das ſind die Bewegungsnerven, ſetzt der Wille vom Gehirne aus die Muskeln in Thätigkeit(in Verkürzung durch Zuſammenziehen).

Das erſte Erforderniß zur Ausfuhrung willkürlicher Bewegungen muß eine richtige Be ſchaffenheit der hierbei in Thätigkeit kommenden Organe(des Gehirnes, der Bewegungsnerven, der Muskeln, des Knochen- und Knorpelgerüſtes) ſein. Es iſt deßhalb durchaus nöͤthig, daß in dieſen Theilen die Ernährung(der Stoffwechſel) durch Zufuhr guten Blutes und ungeſtörte Cirkulation deſſelben in gutem Gange erhalten werde. Wer Willens- und Muskelkraft zu ent wickeln hat, bedarf auch einer ſolchen Nahrung, die das Nerven⸗ und Muskelgewebe gehörig zu ernähren im Stande iſt.

Sodann verlangen die genannten Bewegungsorgane zu ihrer ordentlichen Ernährung außer gutem Blute aber auch noch der richtigen Abwechſelung zwiſchen Thaͤtigſein und Ruhen, weil nur dadurch der Stoffwechſel(die Anbildung neuer und Abſtoßung alter Subſtanz) in ihnen ordentlich vor ſich gehen kann. Beim Bewegen ſelbſt wird, wie bei jedem Thätigſein

*) in ſeinem BucheDer geſunde und kranke Menſch, Leipz. 1860, einem Werke, das Eltern und Erzie⸗ hern nicht angelegentlich genug empfohlen werden kann, und dem die oben nachfolgenden Worte entnommen find.