Aufsatz 
Civibus suis Nassoviensibus
Entstehung
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weil der Griechische Redner stets den Gegenstand aller Beredtsamkeit fest im Auge behält, und nie sprieht, um nur zu spre- chen; während der Römische Redner, ingenii sui nimium amator, und als ob er sein Geschaft wie eine Probo seiner Go- sehieblichkeit oder eine Entfaltung seiner Talente betrachtete, unaufhärlich den Gegenstand, über dem Bemühen, ihm Reich- thum und Sehmuck zu geben, aus den Augen verliert, und Passagen ausströmt, die zwar süss klingen, aber zwecklos sind, und das Ohr kitzeln, ohne das Herz zu erreichen. Wo finden wir in allen Reden des Cicero, oder dedjenigen Schriftstellers, der ihm beinake gleichkommt, des Livius(mirae facundiae homo- Quinctil.) Etwas gleich jenen g edrung enen Reihen kurzer Fragen, in welchen Demosthenes oft mit wenigen, schnell auf einander folgenden Sehlägen die ganze massive Kette einer Sehlu hmiedet, wie in der Rede über den Chersones. Iot der Geschmack durch ein sorgfältiges Studium dieser vollbommenen Muster gebildet und geldutert, dann muss das Bestreben die Kunst correcter Composition in der eigenen Mut- tersprache zu erwerben, das Hauptbestreben des werdenden Redners seyn. Diese Kunst aber wird ermbrben zuerst dureh eine Neissige Leetüre der besten Schriftsteller, und dann durech häufiges Uebersetzen uus den Griechischen Meistern. Dies ist bei weitem das beste Mittel, das ich kenne, um zugleich sowohl einen rei- Englischen Styl sich anzueignen, als auch die Zahm- heit und Einförmigkeit moderner Compositionen zu vermeide Solohe Bestrebungèon erscheinen mir, wenn ich ruhig über diese Dinge nachdenke, weit edlere Gegenstände des Ehrgeizes, als alle andere, an denen der gemeine gesehdftige Haufe mit rast- loser Thätigkeit arbeitet. Nützliche Betehrung zu verbreiten, intellectuelles Fortschreiten, den sichern Vorboton moralischer Veredlung, zu befördern, den Anbruch des glänzenden Tags zu beschleunigen, wo das Lieht allgemeiner Aufklärung die trüben trãgen Nebel selbst von der Basis der grossen Soeialpyramide verscheuchen wird diess in der That ist ein hoher Beruf, zu dem aueh die glänzendsten Talente und die vollendetste Tugend sich ängstlich um einen Antheil Rerbeidrängen mag. Sed hane orationem integram toto pectore excipiant adolescentes etiam exteri, si qui sunt, qui patriae aliquando vere Pro- desse studeant. Ac si quis in unum locum conferre velit ea verba, quibus recentiorum nationum viri in suo litterarum genere clarissimi inde a saeculo XV. usque ad praesens tempus veteribus illis bene dicendi ac sentiendi magistris gra- tias agunt Plurimas ac sincerrimas, nae is vix multis voluminibus comprehendat animi benefickorum memtoris testimonia. Quod autem antiquorum ac peregrinorum populorum linguas et litteras pueris erudiendis adhiberi malumus, quam ver- naculas, fit, quod remotiora ab usu quotidiano ingeni vires magis intendunt. Difftciliora enim, ut habet Quinetil. XI, 2, 42., debent esse, quae erercent, qus sit levius ipsum illud, in guod exercent ut athletav ponderibus plumbeis assue- faciunt manus, quibus vacuis et nudis in certamine utendum est. Atque ita ctiam nunc in aliis artibus faciunt, qui ultra mediocritatem assurgunt. Thibautius, Ietus Cl., qui suppresso nomine de musica scripsit Teb. d. Reimkeit der Ton- Eunst. ed. 2. Heidelb. 1826.), sic judieat p. 151. Wer einen hohen Ton ganz vollendet singen will, der muss immer noch einige Töne höher singen kännen. Diese, gleichsam düberschüssigen, Töne müssen allerdings geübt werden, aber sie gehören nieht zur Darstellung des Musterhaften; ctwa wie die Pariser Tanzmeister den Kindern einige Stunden vor dem Tanze Bleisohlen anlegen, dann aber, wenn es zum Tanz kommt, die Last abnehmen, und dadurek die vollkommenste Leich- tigkeit herausbringen. 20) Nolui cogitare vel rabulam aliquem de foro vel legulejum ac formularum cantorem, sed, qualem haec nostri saeculi lux requirit, hominem et optimarum artium studiis excultum, et ad res suas obeundas aptum. Utramque autem rem, quod vulgo negant, commode et posse jungi et debere, et vero natura sua copulatam esse, omnes existimant, qui non multitudinis judicio coeci feruntur, aut quemvis indoctum causarum patronum, sed clarissimos artis doctores audiunt, veluti Falckium in Jurist. Encyclop.(ed. 2. Kil. 1825.) pracf. p. V. Vor allen Dingen wird es ratsam seyn, den Iuri- sten im Anfange seines Studiums auf den geschichtlichen Charakter des Rechts überhaupt hinzuweisen, und zur Erkenntniss des Zusammenhangs zu führen, der zwischen den vergangenen Zeiten und der Gegenwart ununterbrochen besteht, und seinem 2 Wesen nach unzerstörbar immer bestehen muss. Wird demnächst mit einem gründlichen Studium unsers gemeinen Rechts eine sorgfältige Beschäftigung mit den classischen Schriften des Alterthums, wozu Thibaut nicht ohne Grund so dringend ermahnt in Ferbindung gesetzt, so kann es den von der Universität Entlassenen aueh nicht an derjenigen Bildung Fehlen, welche das praltische Leben fordert. Auf der andern Seite giebt es kein Mittel, die Ewerbung einer rechten Tücktigbeit für das Prab- tische Loben sicherer zu venfehlen, als wenn diese praktische Tuüchtigkeit zum unmittelbaren und ausschliesslichen Gegenstand des Bestrebens gemacht wird. Dass die Studierenden die praktische Tendena ihrer wissenschaftlichen Besehdftigungen aus den Augen rerlieren, und abgezogen werden soliten von den Verhältnissen des wirklichen Lebens, ist nicht zu befürchten. Es liegen theils in den allgemeinen Einwirkungen der Gegenwart, theils in den persönliehen Verhältnissen der Individuen Grüúnde genug: an dayenige mahnen, was für die künftige Praxis zum unmittelbaren Bedürfniss gehört. Immer waren die Zeitalter, bedeutende Schätze der Literatur aus dem Schoose des Alterthums khervorgingen, zugleich diejenigen, in welchen die Begeisten rung fur wissensohaftliche Studien am grössten war, und wo hinwiederum diese Begeisterung für die WMissenschaft dis Bestem 6 Frächte getragen hat. Was aber kann zweckmässiger seyn, als den angehenden Iuristen gleich bei dem Eintritte in seine Lauf- bahn daran zu crinnern, dass er in einer Zeit stehe, die in ihren wissenschaftlichen Bestrebungen durch neue Hulfsmittel gefo dert werde, und daxu berufen seg, das Neugefundene sich anzueignen und mit dem alten Schatz des Missens zu verhinden?