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beim Beginne des Winterſemeſters. Durch den Tod entriſſen wurde uns eine liebe Schülerin: Antonie Götz aus Wiesbaden. Sie ſtarb im noch nicht vollendetem 8. Lebensjahre am Scharlachfieber.
Zur Erhaltung der Geſundheit und Beförderung körperlicher Ausbildung wirkt unſere Schule mit allen in ihrem Bereiche liegenden Mitteln, und es verdient der Wohllöbliche Gemeinderath für die Bereitwilligkeit und Energie, mit welchen er dieſe Bemühungen unterſtützt, die größte Dankbar⸗ keit der Eltern und Anerkennung auch in weiteren Kreiſen.
Durch Ankauf des früher Leyendecker'ſchen Grundſtücks iſt ein Lokal gewonnen, welches geräu⸗ migere und geſundere Klaſſenzimmer bietet, als die früher benutzten es waren, und die angrenzenden Spielplätze laſſen kaum Etwas zu wünſchen übrig. Im Winter und bei Regenwetter dient der Turn⸗ ſaal zum Spielen, im Herbſt und Frühjahr der trockene, ſonnige Hofraum, und im Sommer der in Turn⸗ und Spielplätze umgewandelte ſchattige Garten. So hemmt keine Jahreszeit und keine Witterung die Bewegung während der Pauſen, welche die Reihe der Lehrſtunden unterbrechen.
Ein Theil des Gartens iſt zur Bearbeitung reſervirt, und es erhalten die Schülerinnen der drei oberen Klaſſen auf ihr Verlangen jede ein Beet, welches ſie entweder mit Blumen oder mit ſolchen Pflanzen, welche dem botaniſchen Unterrichte dienen können, beſtellen. Nebenzweck iſt die Er⸗ werbung einiger Kenntniß und Fertigkeit im Gartenbau, und, bei feſtlichen Gelegenheiten, die Aus⸗ ſchmückung der Schulräume mit ſelbſtgezogenen Blumen.
Damit aber den Kindern auch außerhalb der Schule Zeit zu Bewegung und Genuß der freien Luft übrig bleibe, haben wir die häuslichen Arbeiten auf den möglichſt kleinen Umfang beſchränkt, und ſuchen den Ausfall theils durch die Methode des Unterrichts, theils durch die Klaſſeneintheilung, welche das getrennte Unterrichten jedes Jahrgangs ermöglicht, zu erſetzen. Bevor der unvergeßliche Lorinſer in Berlin für die Schuljugend in die Schranken trat, galt Viellernen als der höchſte Ziel⸗ punkt des Unterrichtes, und ſelbſt die ſorgſamſten Eltern dachten nicht, daß zu langes Stillſitzen und zu vieles Kopfanſtrengen der Geſundheit ſchaden könne, ja es gibt noch gegenwärtig Eltern, welche eine Schule für deſto ausgezeichneter halten, jemehr ſie den Schülern Arbeit auferlegt, und die oben⸗ drein jede etwa freie Stunde mit Privatunterricht ausfüllen, ſtatt die Kinder zu muskelanſtrengen⸗ den Arbeiten oder Spielen anzuhalten. Die höhere Töchterſchule hat von jeher dieſer verderblichen Volksſitte entgegengearbeitet, und wird auch fernerhin unbeirrt dem Wahlſpruche treu bleiben: Ge⸗ ſunder Geiſt in geſundem Körper.
Ferner, um den Kindern das Anfertigen der Aufgaben zu erleichtern, ſind namentlich für die untern Klaſſen Arbeitsſtunden eingerichtet, welche von den Lehrerinnen und Aſpirantinnen unentgelt⸗ lich geleitet werden. Oft verbringen jüngere Kinder die koſtbarſte Zeit nutzlos, weil ſie die auf⸗ gegebenen Arbeiten nicht von der rechten Seite anzufaſſen wiſſen.
Daß die Turnübungen im Allgemeinen die Erhaltung und Befeſtigung der Geſundheit be⸗ zwecken, iſt bekannt; allein wir betrachten ſie auch ganz beſonders aus dieſem Geſichtspunkte, und halten an dem Grundſatze feſt, die Uebungen, wenn nur irgend möglich im Freien anzuſtellen, weil das Turnen in einem geſchloſſenen Raume nur halb ſeinen diätetiſchen Zweck erfüllt. Sehr wohl zu Statten kommt uns dabei die Lage unſers Turnplatzes, welche die Benutzung ohne den geringſten Zeitverluſt ſelbſt mitten zwiſchen den übrigen Lehrſtunden geſtattet.


