Aufsatz 
Die Methoden des Unterrichts
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

auf die Theorie. Die theoretiſchen Aufſätze ſind nach der Korrektur zu kopiren oder um⸗ zuarbeiten; aber dazu bedarf es nicht eines beſonderen Heftes, ſondern die linken Blatt⸗ ſeiten des theoretiſchen Heftes dienen zu den Aufſätzen, und die rechten zur Umarbeitung oder zum Kopiren der Sätze, welche korrigirt ſind. Dadurch wird dem Schüler und Lehrer viel mechaniſche Arbeit erſpart, und dem Lehrer außerdem die Kontrolle erleichtert.

2. Deiktik. Jede Sprache ſammt ihren Produkten(Litteratur) iſt gegenſtändlich, und läßt ſich alſo zeigen. In der bei uns eingeführten Grammatik findet ſich zu jeder Regel ein Beiſpiel als Anſchauung, und für die ſtiliſtiſchen Uebungen zu jeder Aufgabe ein Muſter. Das Leſebuch und die Litteraturgeſchichte liefern die weiteren Anſchauungen. Die Grammatik iſt ſo geordnet, daß jeder durch Anſchauung und Beſprechung gewonnene Begriff in knappeſter Form dem Gedächtniß dargeboten wird, und mittels der unter den Paragraphen angedeute⸗ ten ſchriftlichen Uebungen zur Anwendung kommt.

Heuriſtik. Jede Sprachregel findet ſich naturgemäß in der Sprache, und kann folglich in jedem Augenblicke von Neuem abſtrahirt werden. Um auch dieſer geiſtigen Kraftübung Rechnung zu tragen, folgt in unſerer Grammatik auf jeden deiktiſchen Abſchnitt ein heuri⸗ ſtiſcher d. h. Leſeſtücke, welche unter dem TitelAufſuchen der Regeln den Schüler ver⸗ anlaſſen, die Sprachgeſetze ſelbſt zu abſtrahiren. Dieſe Abſchnitte ſind freilich nur kurz, aber eine weitere Ausdehnung der Heuriſtik würde einen zu großen Aufwand an Zeit und Kraft in Anſpruch nehmen. Es gibt deutſche Sprachbücher, welche nur Heuriſtik bieten; aber kein umſichtiger Pädagog wird ſie anwenden mögen. Das Unnatürliche ihres Weſens zeigt ſich auf den erſten Blick..

4. Akroamatik. Sprache lernt der Schüler auch durch den Vortrag des Lehrers. Wir be⸗ nutzen dazu Geſchichte, Geographie ꝛc., und beſtreben uns, dieſe Gegenſtände in möglichſt gutem Deutſch vorzutragen, und repetiren zu laſſen. Das lebendige Wort hat außer dem ſachlichen Nutzen, was hier nicht hergehört, auch ſprachlichen.

92

5. Dialogiſtit. Frage und Antwort iſt für die Sprache, wie überhaupt für jeden Unterricht die natürlichſte und vollendetſte Form. Sowohl die poſitiv gegebenen Regeln, als auch die ſelbſt auf⸗ gefundenen werden erſt durch Frage und Antwort lebendig. Unſere Grammatik iſt zwar in Ur⸗ theilsſätzen, alſo akroamatiſch, abgefaßt, aber in ſofern auch dialogiſtiſch, als in jedem Satz, die Beſtandtheile der Frage und der Antwort durch verſchiedenen Druck hervortreten. So wird der Lehrer jeden Satz mit großer Leichtigkeit als Frage benutzen können: vor der Durchnahme als examinatoriſche und ſokratiſche nach derſelben: in der nächſten Unter⸗ richtsſtunde, als repetitoriſche.

Die Anordnung der Lehrmittel für den deutſchen Unterricht liegt theils ſchon in der Beſchaf⸗ fenheit derſelben: unſer Leſebuch z. B. ſchreitet in 6 pädagogiſch abgegrenzten Theilen vom Leichten zum Schweren, vom Einfachen zum Zuſammengeſetzten fort; die Grammatik zeichnet in der Abthei⸗ lungSprachkunſt drei Kurſus vor, in welchen Variation, Konzentration, Imitation, Konſtruktion, Ampli⸗ fication; Geſprächs⸗, Brief⸗, Ichform; Erzählung, Beſchreibung, Abhandlung; ſtlliſtiſche Ueberſetzung, realer und moraliſcher Stoff nach denſelben pädagogiſchen Geſetzen hervortreten, abwechſeln und