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Die oben aufgeſtellten zehn Hauptgrundſätze laſſen deßhalb auch alle rein padagogiſchen Gegen⸗ ſtände unberührt. Es würde unſyſtematiſch ſein, in ihnen Etwas über Zweck und Gegenſtand des Unterrichtes ſagen zu wollen.
Zugleich geht aus dem Ganzen genügend hervor, wie wenig es zu bedeuten hat, wenn ein Lehrer mit dem begeiſterten Rufe auftritt: Fort mit allem Uebrigen— nur analytiſch unterrichtet! Oder — praktiſch! Oder— ſyſtematiſch! Oder— ſtufenmäßigl! Oder— heuriſtiſch! Oder— ſokratiſch! Oder— anſchaulich! Oder— allein vom Leſebuch ausgehend! Oder— grammatikaliſch! u. ſ. w.— Im ganzen Weltall herſcht Gleichgewicht und Harmonie— ſo ſollte ſie billigerweiſe auch nicht aus dem Mikrokosmus des Unterrichts verbannt bleiben.— Man vermag nicht ohne ein Gefühl von Bewunderung und Mitleiden das Treiben eifriger Padagogen, oft der allerbedeutendſten, anzuſehn, wie fie irgend ein brauchbares Lehrmittel oder eine Anordnung ange⸗ wandt wiſſen wollen, und alle anderen Methoden verdammen. Hat unſere Zeit padagogiſch Schaden gelitten, ſo war es nicht durch Mangel an Streben oder Nachdenken, ſondern durch Einſeitigkeit.
Recht fühlbar wird dieſe pädagogiſche Einſeitigkeit, wenn ſie von der Theorie zur Praxis über⸗ geht, und z. B. irgend eine Methode auf alle Wiſſenſchaften, auf alle Schüler, oder auf alle Klaſſen einer Schule anwendet. Das Individualiſiren darf nicht bei dem eigentlichen Individuum ſtehen bleiben, ſondern ſich auch auf die Klaſſe, die Schule, den Gegenſtand erſtrecken. Die Frage„Iſt Ahn's oder Wurſt's Methode gut?“ läßt ſich ſchlechterdings nicht beantworten. Vor Allem müßte man doch hinzufügen„Für welche Klaſſe iſt ſie gut?“
Als Beiſpiel dieſes Individualiſirens möge eine nahere Erörterung über den deut⸗ ſchen Sprachunterricht an unſerer Schule dienen.
Wir ſtellten nämlich zunächſt feſt, daß die Mutterſprache, als unmittelbarer Ausdruck des gei⸗ ſtigen Lebens, den Hauptbau des ganzen Unterrichts in der Töchterſchule ausmachen muß, wahrend ſich die anderen Unterrichtsgegenſtände an ihn anlehnen, um endlich mit ihm in eine gemeinſame Spitze auszulaufen(Methode der gegenſeitigen Unterſtützung).
Sodann wurde, in Rückſicht auf den Lernenden, der Sachbeſtand in Erwägung gezogen, daß wir Kinder von 5. oder 6. bis zum 14. oder 15. Lebensjahre zu unterrichten haben, und daß für dieſen Zeitraum die oben erwaͤhnten drei pſychologiſche Entwicklungsſtufen anzunehmen ſind.
1) Unterſtufe. Das Kind bildet ſeine Begriffe vorwaltend durch Anſchauung. Es hat noch nicht die aus⸗ reichende Menge von Begriffen, um damit innerlich operiren zu können. Daher die entſchiedene Nei⸗ gung, recht Viel zu ſehen und zu hören; die Sinne und die Glieder zu gebrauchen; zu zerſtören und nachzuahmen. Die bereits fertigen Begriffe ſtehen großentheils noch vereinzelt da. Erſt allmalig bilden ſich kurze Begriffsreihen, und es kann folglich noch kein umfangreiches Gedachtniß d. h. keine Reproduktionskraft für langere Begriffsreihen vorhanden ſein. Das Kind merkt ſich oft überraſchend viel Einzelnes, und ſteht dagegen nicht ſelten rathlos vor einem kleinen Spruche oder einer geringen Anzahl von Namen, die es auswendig lernen ſoll. Sprachſtudien eignen ſich alſo für das Kindesalter über⸗ haupt wenig, da die Sprache Symbol und folglich unreal iſt.
Nur wenn man die Sprache kindlich auffaßt, d. h. Sache, Begriff und Wort als eine unge⸗ theilte Einheit betrachtet, gewinnt ſie für das Kind Leben und Intereſſe.„Das iſt ein Baum;“


