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Thätigkeit bedingt, muß durch den Wechſel der Gegenſtände das Gleichgewicht hergeſtellt werden, mithin auch der Lehrtag, die Woche, das Vierteljahr eine didaktiſche Einheit bilden. Hufeland, in ſeiner„Kunſt das menſchliche Leben zu verlängern“ weiſt nach, daß einförmige Anſtrengungen dem Körper weit mehr ſchaden, als abwechſelnde, und nach ihm hat die Pädagogik einſehen gelernt, daß gleichfalls die geiſtige Geſundheit durch richtigen Wechſel der Beſchäftigungen unglaublich gefördert werde.
10) Der Unterricht ſoll auch erziehend ſein, wie die Erziehung unterrichtend. Das eigentliche Weſen des Unterrichts beſteht zwar darin, daß er Kenntniſſe mittheilt und Fer⸗ tigkeiten erzeugt, ſich alſo an den Geiſt wendet; allein er ſoll und muß auch das Gemüth ver⸗
fedeln, und dadurch zu einem ſittlich⸗religisſen werden. Aus der Harmonie zwiſchen Einſicht und Willen geht die innere Freiheit hervor, welche den Menſchen zur Gottähnlichkeit befähigt, und der wahre Unterricht wird alſo auch in dieſer Richtung unabläſſig thätig ſein. Der alte
Spruch:„Wer tuto, cito, jucunde unterrichtet, iſt der beſte Lehrer,“ konnte nur ſo lang
Geltung behalten, wie man überſah, daß Nichts vereinzelt in der Welt daſteht, daß alles Ir⸗
diſche ein Ganzes bildet, daß ſich überall Berührungspunkte vorfinden, und daß eben Religion
und Moral den Berührungspunkt zwiſchen Unterricht und Erziehung bilden.—
Dieſe Hauptgrundſätze können ihrem Weſen nach den Gegenſtand zwar nicht erſchöpfen, allein ſie bilden eine Auswahl, welche ihm wenigſtens in keinem Punkte widerſprechen. Den Beweis dafür dürfte die nachfolgende ſyſtematiſche Zuſammenſtellung liefern.
Unterrichten heißt Jem anden Kenntniſſe mittheilen.
Darin liegt die Dreitheilung— der Lernende, der Gegenſtand, der Lehrende.
Jede Mittheilung aber kann auf verſchiedene Weiſe geſchehen. Es entſteht alſo die Frage: Wie ſollen die Kenntniſſe mitgetheilt werden?(Methode.) Und die Antwort iſt in Gemäßheit der Drei⸗ theilung: Nach der Naturdes Lernenden, nach der Natur des Gegenſtandes, durch naturgemäße Mittel.
A. Der Natur des Lernenden gemäß.
Der Menſch iſt ein geiſtig körperliches Weſen. Seine Vorſtellungen kommen ihm durch die Sinne, und werden durch Denken zu Begriffen. Nur auf dieſem Wege kann ihm Etwas mitgetheilt werden. Die natürliche Methode berückſichtiat alſo
I. Die Beſchaffenheit des Geiſtes an ſich, und benutzt folgende Thätigkeiten deſſelben: 1) Das Bemerken(Auffaſſen durch die Sinne); 2) Das Behalten(Reproduziren durch das Gedächtniß); 3) Das Nachdenken(Auffaſſen durch den Verſtand). II. Die Beſchaffenheit des Geiſtes in den verſchiedenen Lebensaltern(Comenius; Pſychologiſche
Seite der konzentriſchen Methode). Sie erwägt, daß
1) vom 1. bis etwa zum 7. Jahre die Thätigkeit der Sinne vorherſcht(Anſchaungsunter⸗ richt; Peſtalozzi);
2) vom 7. bis 11. das Gedächtniß(Memoriren; Jacotot, Ruthardt); und
3) vom 14. der Verſtand(Logik; Becker, Graſer).


