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eines in Düſſeldorf erſchienenen Tageblattes ein neuer Anlauf mit der Einführung einer abermals verbeſſerten Chevé'ſchen Zifferſchrift in den Rheinlanden vorgenommen werden ſollen.
Was die vortheilhaften Seiten der Zifferſchrift anbetrifft, ſo liegen dieſe in drei Punkten:
1. Läßt ſich die Tonbedeutung wirklich an Ziffern leicht anknüpfen, weil dieſe die Grund⸗ verhältniſſe der Töne vollkommen gut ausdrücken, und weil ſie der Schüler nicht erſt kennen zu lernen braucht, wie die Noten, da ſie ihm vom Einmaleins her ſchon genau bekannt ſind.
2. Weiſt jede Zahl vermöge der ihr zu Grunde liegenden Einheit auf die Einzahl, d. i. auf den Grundton zurück, was einem Anfänger unbedingt von Nutzen ſein kann.
3. Kommen alle chromatiſchen Vorzeichen für die Bildung der 24 verſchiedenen Tonleitern in Wegfall, da es die Zifferſchrift nur mit einer einzigen Tonleiter zu thun hat.
Was gegen die Zifferſchrift einzuwenden iſt, läßt ſich ohngefähr in folgenden fünf Punkten zuſammenfaſſen:
1. Die Ziffern ſind ungleichartig geſtaltete Zeichen. Sie geben an ſich dem Auge kein unmittelbares und anſchauliches Bild von der Höhe und Tiefe der Töne, wie die Notenköpfe.
2. Gehen die Ziffern auch keine Verbindungen ein mit Zeichen, durch welche die Zeitdauer der Töne auszudrücken iſt, was bei den Notenköpfen geſchieht.
3. Reicht die Anzahl von verwendbaren Ziffern kaum für die Bezeichnung der nothdürftigſten Töne und Tonverhältniſſe aus, in deren Bereiche überdies nur eine geringe Ausleſe von Geſängen zu halten möglich iſt.
4. Verlieren die Ziffern ſofort den Charakter der Einfachheit, ſobald man es unternimmt, irgendwelche Zuſatzzeichen mit ihnen in Verbindung zu bringen. Will die Zifferſchrift nicht in den Fehler gerathen, unverſtändlicher zu werden als die Notenſchrift, ſo muß ſie nicht nur die chromatiſche Tonleiter entbehren, ſondern darf ſich ſelbſt nicht einmal auf den innern Unterſchied von Dur und Moll einlaſſen, für welchen ſie, da er auf harmoniſchen Urſachen beruht, noch viel weniger zureichende Ausdrucksmittel hat.
5. Der ſchlagendſte Beweis aber gegen die Haltbarkeit der Zifferſchrift liegt in der Modulation. Tritt eine ſolche ein, ſo paßt keine einzige Ziffer mehr für den Platz, den ſie vorher eingenommen hat. Denn die einmal geſetzten Ziffern ſind zugleich charakteriſtiſche Zeichen für die innere Klangbedeutung ihrer Töne in Beziehung zu ihrem Grundtone. Wechſelt dieſer letztere ſeine Stelle, wie es in der Mehrzahl von Geſängen geſchieht, ſo ſind nur zwei Fälle denkbar; entweder wechſeln alle übrigen Ziffern ihre Stellungen zugleich mit, oder ſie bleiben auf ihrem alten Flecke ſtehen. Im erſten Falle iſt eine Begriffsverwirrung aller einzelnen Ziffern und deren Tonbedeutung unvermeidlich, und im andern Falle nehmen die Ziffern einen von ihrem frühern ganz und gar abweichenden Charakter an, d. h. ſie werden offenbar falſch.
Was nun den Werth der Zifferſchrift anlangt, ſo iſt Folgendes zu ſagen:
Die Zifferſchrift hat mehr Schwächen als Vorzüge. Das macht, die Ziffer hat ihren eigent— lichen Platz nicht auf dem Gebiete der Muſik, ſondern auf dem der Arithmetik. Hier iſt ſie eine fertige Geſtalt, und über dieſe fertige Geſtalt hinaus nicht mehr bildungsfähig. Dieſer letztere Um⸗ ſtand kommt ihr im Dienſte der muſikaliſchen Schriftbezeichnung nicht nur nicht zu ſtatten, ſondern ſchadet ihr im Gegentheile noch. Die muſikaliſche Schriftbezeichnung fordert in dieſer Hinſicht gerade das Entgegengeſetzte; ſie fordert ein unfertiges, bildungsfähiges Zeichen, jedoch ein ſolches, das,


