Aufsatz 
Das unnatürliche und das natürliche Lehrpinzip und die aus denselben hergeleiteten Methoden des Treffunterrichtes nach Noten in Schulen / von Armin Früh
Entstehung
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die Schärfe in's Auge faſſen, mit welcher jener endgültige Abſchluß, die Ausbildung der muſikaliſchen Schriftzeichen bis in ihre kleinſten Verzweigungen hinein ſich vollzogen hat. Es iſt geradezu die Schärfe der organiſchen Gewalt, welche das letzte Gepräge der Notenſchrift ward. Dieſer Vorzug allein, ganz abgeſehen von den andern Vorzügen, welche in ihrer Ausdrucksfähigkeit für alles muſikaliſch Ausdrückbare und in der unübertrefflichen Einfachheit ihrer Schriftzüge liegt, dieſer Vorzug allein erhebt ſie ſchon über jeden Zweifel an ihrer Bedeutung und ſichert ihr die Anerkennung auf dem ganzen Erdboden zu und die dauernde Geltung für alle Zeiten.

Wir haben die Notenſchrift alſo nicht bloß als einen Mitfaktor der Tonkunſt zu betrachten, ſondern auch zugleich als das endgültige organiſch geſtaltete Ausdrucksmittel derſelben. In dem geiſtigen Verſtändniſſe der Gliederung dieſes Schrift-Organismus liegt daher zugleich der Schlüſſel zum Eintritte in das Reich der Tonkunſt und die Bedingung zur ſelbſtſtändigen Theil⸗ nahme an derſelben.

Bei ſo großen Eigenſchaften und Hoheitsrechten erſcheint es in der That wunderlich, daß die Notenſchrift gleichwohl nicht unbedingt und überall als die einzig zu Recht beſtehende Muſik⸗ ſchrift anerkannt und gebraucht worden iſt. Namentlich ſind es die Vorzüge der Ausdrucks⸗ fähigkeit und der organiſchen Geſtaltung, welche man ihr von gewiſſen Seiten her nicht nur nicht zum Lobe anzurechnen, ſondern im Gegentheile noch zum Vorwurfe machen zu müſſen geglaubt hat. Schulmänner wollten aus ihrer pädagogiſchen Erfahrung heraus die Behauptung für begründet halten, daß die Notenſchrift zum Schulunterrichte nicht paſſe, ſie laſſe ſich viel zu ſchwer lehren und noch viel ſchwerer begreifen.

Ich glaube, es wird doppelt intereſſant ſein, wenn wir uns danach umſehen, wie von dieſer Seite her gedacht wurde und was geſchah. Vielleicht führt uns dieſer Weg am leichteſten zum Ziele unſerer Betrachtung; ſicherlich aber erwächſt mir dabei der Vortheil, gültige Beweiſe, die dort ſchon geführt worden ſind, nicht noch einmal bringen zu brauchen.

Schon Rouſſeau machte Vorſchläge zu einer Muſikſchrift in Ziffern, ging jedoch nach gewonnener beſſern Ueberzeugung alsbald wieder von dieſer Idee ab.

In der Folge trat Peſtalozzi bei ſeinen Beſtrebungen, die Zahlenanſchauung auch für den Schulgeſangunterricht nutzbar zu machen, auf jene von Rouſſeau längſt zurückgenommene Idee wieder ein. Aber weder er noch ſeine beiden für dieſe Idee ſympathiſch angeregten Freunde, Nägeli und Pfeiffer, waren ſo glücklich, eine befriedigende Löſung derſelben zu finden.

Im zweiten und dritten Jahrzehnt des gegenwärtigen Jahrhunderts tauchten nun nach ebenderſelben Richtung hin Maſſenbeſtrebungen auf. Viele Schulmänner ſuchten dieſem Projecte im Großen Geſtalt und Nachdruck zu geben. Männer von ſonſt höchſt werthvollen Eigenſchaften, Capazitäten wie Denzel, Natorp u. a. m. legten ſich mit Fleiß und Begeiſterung auf die Her⸗ ſtellung einer Zifferſchrift, und bemühten ſich, eine ſolche in möglichſt vielen Schulkreiſen an Stelle der Notenſchrift einzuführen. Dabei war die Zifferſchrift nicht einmal überall die gleiche. So gab es z. B. Zifferſchriften mit, und Zifferſchriften ohne Linien. Letztere waren Sache des Pfarrers Klett, der hierin am weiteſten ging.

In neuerer Zeit hat ein Herr Chevé in Paris eine verbeſſerte Zifferſchrift aufgeſtellt, mittelſt deren er namhafte Erfolge erzielen ſoll; und noch vor zwei Jahren hatte laut Ankündigung