Aufsatz 
Beiträge zur Kritik und Exegese der Sophokleischen Antigone / von Arthur Frederking
Entstehung
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(V. 834 ff.): Antigone leidet, ob schuldig oder unschuldig, jedenfalls unglücklich und tragisch wie Oedipus(vgl. 379 dσσνάν dνxστνον ταœτς O1⁴uεπτοα). Der Inhalt dieses Satzes aber braucht nicht dem unmittelbar vorhergehenden verwandt zu sein(so dass wir dort mit Bonitz, Kvicala, Todt den Gedanken voraussetzen müssten:du bist ins Unglück gestürzt), ebenso wenig, wie in der Gegenstrophe v. 872 ff. der Schlusssatz: G.ρ⁴'νακνεμꝓνννοιοο αeφεσνο ⁶ο (womit der Chor die Klagende schliesslich auf sie selbst zurückweist, mit Berufung auf ihren eigenen, dem angeborenen Charakter gemässen Entschluss und freien Willen) in einem solchen Verhältniss zu den vorausgehenden Sätzen steht. Nun hat mich eine andere, häufigere Bedeutung von 7roooiπe und die handschriftliche Ueberlieferung selbst auf eine ganz andere Vermutung gebracht, nämlich dass für 7rAνν π 64α 2u lesen sei, also:Du hast den Staat(angefallen) angegriffen. Dies hat Antigone unleugbar gethan: sie hat ein Gesetz des rechtmässigen Königs und damit des Staates übertreten, vgl. Kreon's Worte v. 666 ff. ö rodιςα σπκσωμe, roũde vo Aossn. dyxoοxiαs deν πμεεεοωνQͥ0ūOpG or*αάν. rleic 544vG,, was der Chor 681 f. anerkennt und bis zu einem gewissen Grade anerkennen muss; ebenso identificirt er Kreon und den Staat(die Regierung) v. 213 f., anders als Hämon v. 733 ff.; noch deutlicher aber spricht es Ismene aus v. 79 giα 11rν rϑο ερσυνάνν m⁵νάανο(also sogar gia ⸗ro*⁴ετιιν statt piœ 71045c,!), wie in der unechten Stelle v. 907 Antigone denselben Ausdruck braucht: obre gi rr0A16ν 16ν,⁴σ˙οι αάeρ Hο,mmcę6νον. Ueberhaupt aber ist der Chor auch in Abwesenheit des Herrschers noch sehr zurückhaltend mit seiner eigentlichen und ganzen Ueberzeugung*), und der Trost, den er der unglücklichen Königstochter spendet, ist nicht so ehrlich und warm, als man wünschen möchte(817 ff., 834 ff., auch 944 ff.); er vertritt, gleichsam officiell, als königlicher Rath, auch den abwesenden Herrscher und bezeichnet neutral und scheinbar kühl die Motive und Rechts- gründe beider in Conflict stehenden Parteien, so besonders in der auch inhaltlich parallelen Strophe 872 ff.:wol ist es fromm, die Toten zu ehren,(nach einem Scholion, etwa suαeνεςαᷣ ρσmϑσιεονςσν vgl. Nauck: sνασαερςρεςα νεκεοονς, Keck: suνσαερρνεςα νεκναννοσ)*), aber wem an seiner Machtstellung gelegen ist, der muss sie immer als unverletzlich wahren, nach einem Scholion und Wecklein***). 80 könnte der Chor auch in unserer Strophe sich ausdrücken:wol stehst du auf Seiten des höheren Rechtes, aber du hast den Staat bedroht(und musst also die gesetzliche Strafe erleiden). Man beachte auch, dass Antigone v. 842 die rölis angerufen hat, in deren Namen nun der Chor zur Entschuldigung seines passiven Verhaltens antwortet. Das handschriftliche oluν wäre dann wol

*) Dass diese Ueberzeugung mit dem Urteil des Volkes(v. 692 ff.) übereinstimmt und dass der Chor nicht etwa bloss die Motive der Antigone, sondern ihre That selbst billigt, geht unwiderleglich hervor aus v. 278 f., wo er die Bestattung der Leiche als Sεr*lαo bezeichnet(also von den Göttern veranlasst, trotz dem königlichen Verbot; was hier nicht etwa nach 622 ff. missdeutet werden darf); vgl. 1100 f., wo der Chor nicht nur auf die Beerdigung des Polyneikes, sondern auch, sogar zuerst, auf die Befreiung der Antigone dringt, und zwar ohne die geringste Andeutung, dass dieses ein Gnadenerweis an eine Schuldige und Straffällige würe.

**) Oder Geεμεααςοα sdαεειανεε νετ⁵ vgl. 943 vn)&d-Gε4.ν ε4G.ααᷣα wo übrigens der Artikel ebenso aufzufassen ist, wie z. B. 924, 1270, 1242 u. sonst, auch 917 zον ⁴φμν nicht zov p.), bei Abstracten(gegen Schneidewin-Nauck zu 924, 943). Im Folgenden istoτο z0.e᷑ τos etwas auffällig, denn eines würde für beide Sätze genügen, und vielleicht ist für das erste, welches eine unbeabsichtigte Wiederholung des zweiten sein könnte:»⁰μοοσ oder wipog(cfr. 60) zu lesen, mit αραρασeν(s. Krüger I§ 43, 4, 11).

***) Nach der gewöhnlichen Erklärung der Worte, wobei usaet nicht passend scheint(die Macht desjenigen, welchem seine Macht am Herzen liegt, darf niemals missachtet werden; für die Uebersetzung von aροαρανραeē vgl. v. 60 vgov rves Hεέαμεν, und dazu die allein richtige Erklärung von Kvicala), würde der Chor etwas sagen, was seiner Ueberzeugung geradezu widerspräche, vgl. die Anmerkung*) oben; das aber ist, besonders hier, wo der gefürchtete Herrscher nicht anwesend ist, wenig wahrscheinlich.

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