Aufsatz 
Beiträge zur Kritik und Exegese der Sophokleischen Antigone / von Arthur Frederking
Entstehung
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nicht verpflichtet, jede beliebige Lesart der Scholien oder gar jedeso. des sogenannten dσσᷣαννjſ ()*) zu analysiren und als gleichwertig mit dem Text des Laur. zu behandeln und dann nach dem Grundsatze zu verfahren, auf den Kvicala an einer ähnlichen Stelle(v. 521 r»α L, yo.d⁴ᷣrαεν L) sich beruft, dass nämlich von zwei beglaubigten Lesarten die ungewöhnlichere vorzuziehen, die gewöhnlichere als Glossem zu betrachten sei, obgleich er selbst sich an jener Stelle für E entscheidet, ich sage also: wir sind dazu gar nicht verpflichtet, so lange der Text der Handschrift selbst lesbar ist. Denn wir verdanken ja den Scholien an der einen oder anderen Stelle, wo in L eine leichte Verschreibung vorliegt, in der Antigone z. B. v. 40, 326, die richtige Lesart, aber selbst die alten Scholien sind von sehr ungleichem Wert und ihr Sophoklestext ist sicher nicht frei von Conjecturen und Interpolationen, und wir werden vorläufig immer einen zuverlässigeren Führer an dem Text des Laur. haben, dessen bisher noch immer nicht genügend in praxi anerkannte Vortrefflichkeit auch diese Abhandlung erweisen wird. Lesbar aber ist L auch an unserer Stelle, wenn wir mit einem Scholion Oysas als Accus. plur. von lεαεν abhängig machen**); denn wenn auch in der Antigone die Pluralform O/ßat nicht vorkommt, so finden wir sie doch z. B. in den beiden Oedipus neben dem Singular gebraucht, z. B. O. C. in der Erzählung des Polyneikes nacheinander v. 1305 O5Sœ, 1312 und 1319 Or, 1325 OnSat, ebenso in der Rede des Oedipus v. 1355 Gœ‿ und 1372 Gfy. In Bezug auf die andere Lesart aber will ich auch noch etwas bemerken, weil man geschwankt hat, ob der Genetiv Orfsæc mit Bäxxios(ein Scholion, Schneidewin, Böckh) oder mit slεliνιν (Bonitz und and.) zu verbinden sei, und weil andererseits diese beiden Erklärungen be- stritten worden sind(Kvicala). Für die Verbindung Oyfgas Bdxntos, die auch Bonitz beanstandet, giebt es doch genügende Analogieen, z. B. Ant. 1075 AAoν ακαœα ϑνν EOuss, O. C. 1767 iꝙᷣ ozo, Frg. 724 Dind. zννv»vdνυemπ̈ν Eoycwi, letzteresBeispiel genau unserem ias Aellr οων Baãxnos entsprechend. Die fragliche Abhängigkeit des Genetivs aber von sleliνναν(als possessivus) macht gar keine Schwierigkeit, wenn man, wie Wecklein es zu thun scheint(der in Theben geborene Tanzgott), lelixòo als Substantiv nimmt(wie auch evrooiyaios sich findet), vgl. Ant. 940 GOrsys ok oανέ⁴eł àιu and. Schliesslich aber ist auch die Verbindung des Genetivs mit dem adjectivischen Alᷣꝭ ιιων möglich, nach einigen der Analogieen wenigstens, welche die Commentare zu der Stelle anmerken, vgl. auch Krüger, I.§ 47, 26, 9 ff. und II. ib. 6 ff.(doch liegt bei weitem nicht in allen dort angeführten Beispielen ein relativer Genetiv vor).

v. 175 Aνα τάχασάσον ε πτασάνςσ e³ςρος ετμιμααεν xisv 1s eαœ‿ †ννμ xεμ, O d dAοεαᷣ τι*Qαα v‿νμιασσννευνυνντνιιρν r£cv⁷.

In v. 175 finde ich in den Commentaren nichts notirt, obgleich eipe Bemerkung über die sprachliche Form, für Schüler wenigstens, nicht überflüssig wäre, schon damit sie nicht wie Böckh und Donner übersetzen:unmöglich ist es, jedes Mannes Sinn ganz zu erkennen,(statt: irgend eines Mannes Sinn, oder: unmöglich ist es überall, eines Mannes Sinn zu erkennen); dann aber auch, damit der eine oder andere auch später als Philolog und Lehrer den Aus- druck grammatisch nicht missverstehe, denn wenigstens hat Director Franz Kern sich zu der

*) Vgl. die Bemerkung zu v. 264, unten p. 7, und in Betreff der Scholien z. B. v. 231, 320, 849, 1238, wo überall L die richtige Lesart hat.

**) Als acc. pl. nimmt es auch Kvicala, aber abhängig von einem Particip(?) sAeεleιν.