Peter von Amiens.
Päin DBDild aus dem ecsten Preuzzug
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Der Name des Peter von Amiens ist einer der bekanntesten der allgemeinen Geschichte. Selbst solche, die von den Kreuzzügen, ihrem Verlauf und ihren Folgen kaum die dürftigste Kunde haben, wissen von dem Einsiedler zu reden: wie er zum heiligen Grabe gepilgert und dort durch eine Vision zur Befreiung der heiligen Stätten aufgefordert worden, wie er heimkehrend schon in Italien das Kreuz gepredigt und dann den Papst zur Berufung des Konzils zu Clermont veranlasst habe, endlich wie er selber predigend auf jener berühmten Kirchenversammlung aufgetreten sei. Schade nur, dass gerade diese den gewöhnlichen Hand- büchern und Handbüchlein so geläufigen Angaben über Peter längst(namentlich durch die Untersuchungen Sybels“ und Hagenmeyers) als gänzlich ungeschichtlich erwiesen sind. Wenn aber alles das als unhaltbar verworfen werden muss. so fragen wir mit Grund, was denn nun die strenge Forschung an zuverlässigem Wissen über den Eremiten darzubieten vermag. Die Antwort lautet:„Wenig, viel weniger als wir über den merkwürdigen Menschen wissen möchten.“
Wann Peter: geboren ist, wer seine Eltern waren, welche Erziehung er erhielt, was er in seiner Jugend und im ersten Mannesalter erlebte, ist gänzlich ungewiss. Als Ort seiner Geburt darf, wenn nicht Amiens selbst, so doch das Gebiet oder der bischöfliche Bezirk dieser Stadt angesprochen werden.“ Eine spätere Quellez nennt ihn„Petrus Acheriensis“, was etwa soviel wie„Peter aus Achery“ oder„Peter, geboren zu Achery“ bedeuten würde und wobei wir uns unter Achery wohl einen Ort in der Nähe von Amiens zu denken haben würden.
Alle Quellen stimmen darin überein, dass Peter Mönch und Einsiedler gewesen ist. Wann er das Mönchsgelübde abgelegt, wann er sich in die Einsameit zurückgezogen, wie lange er in derselben verharrt hat, wo seine Klause stand, über alles das ist nichts überliefert.
Nach der um 1125 verfassten Kreuzzugsgeschichte des Domherrn Albert von Aachen ist Peter, gleich zahllosen Zeitgenossen, nach Jerusalem gepilgert und dort durch eine Vision angewiesen worden, den Papst und die Christenheit zur Befreiung des heiligen Grabes aufzubieten. Der noch später— um 1186— schreibende Erzbischof Wilhelm von Tyrus hat dann auf Grund dieser Angabe den Eremiten zu einem förmlichen Vorläufer des Papstes gemacht.5 Die wirklich gleichzeitigen und örtlich nahestehenden Zeugené der Vorbereitungen zum ersten Kreuzzuge wissen von einer solchen angeblich so folgenreichen Vision nichts. Auch Papst Urban, dessen zu Clermont gehaltene Rede durch vier dem Konzil Anwohnende? inhaltlich überliefert ist, erwähnt dieselbe in keiner Weise. Die Annahme aber, dass der Papst absichtlich darüber geschwiegen, oder dass seine darauf bezüglichen Worte dem Gedächtnis unserer vier Berichterstatter gleich- mässig entfallen sein möchten, ist doch wohl von vornherein ausgeschlossen. Nimmt man dazu den Ton der Erzählung, der namentlich die Anfangskapitel des Albertschen Werkes als sagenhaft verdächtigt, vergegen- wärtigt man sich die überraschende Ahnlichkeit, welche die Erzählung des Domherren mit den eigentlich poetischen Kreuzzugssagen und-gedichten aufweist, so werden wir kaum noch zögern, die ganze Ge- schichte von der Vision Peters für ein späteres Gebilde der Sage zu halten.
In dieser so gewonnenen Ansicht werden wir mächtig bestärkt durch eine Nachricht, welche die griechische Prinzessin Anna Komnena(in ihrer Geschichte des Kaisers Alexiuss) überliefert: Peter sei nicht bis Jerusalem gekommen, er sei der Türken halber umgekehrt und habe nunmehr ein Kreuzheer aufgebracht, um mit diesem die heiligen Stätten zu erobern. Es liegt nahe zu vermuten, dass Peter selber dem Vater der Prinzessin, dem Kaiser Alexius, bei dem er wiederholt Audienz hatte, diese Mitteilung gemacht, sowie dass Anna dieselbe wiederum von ihrem Vater überkommen hat.
Es wird nach alle dem angenommen werden dürfen, dass Peter zwar nach Syrien gepilgert ist, dass er sich aber— wie manche andere Wallfahrer— aus Furcht vor den streifenden Räuberscharen der Mohamedaner nicht bis Jerusalem gewagt hat, dass also von einer dort erfolgten Vision keine Rede sein kann. Dass Peter auf der Kirchenversammlung zu Clermont war, ist möglich, um nicht zu sagen wahr- scheinlich. Die Quellen freilich wissen nichts davon. Spätere behaupten sogar, der Eremit habe zu Clermont geredet. Dies muss indessen, unter Berufung auf die zeitgenössischen Berichte, auf das entschiedenste ge- leugnet werden. Unmittelbar nach dem Konzil, etwa in den ersten Tagen des Dezember 1095, muss Peter als Kreuzprediger aufgetreten sein; ob im Auftrage des Papstes, ob in eignem Auftrage, bleibt wieder ungewiss. Ebenso wenig sicher ist, in welcher Gegend er zuerst gepredigt hat; wahrscheinlich im mittleren Frankreich, von wo er dann nach dem Norden gezogen sein wird.— Der Erfolg der Predigt war bekanntlich ein unge-
*) Geschichte des ersten Kreuzzuges. Düsseldorf 1841. 2. Aufl. Leipzig 1881. Uber Hagenmeyer s. Anmerkung 8.


