Aufsatz 
Gefahren großstädtischer Erziehung
Entstehung
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jene prickelnde Neugierde zu erzeugen, die immer nach Neuem gelüſtet und das Neue gleich wieder alt findet. Und doch iſt auch hier, im Angeſichte ſolcher Herrlichkeiten, nicht ein abſolutes Verbieten, ſondern nur ein ſtrenges Beſchränken und weiſes Wählen anzurathen. Man muß der kindiſchen Neugierde auch etwas verſagen können. Und der beſte Zügel der Neugierde iſt der Sporn des Inter⸗ eſſes für wahrhaft bedeutende und würdige Gegenſtände.

Nur ſuche man dieſe nicht etwa in den fliegenden Akademieſtücken, die auf ihren Reiſen in den großen Städten hauſiren und den Schulen und Eltern als ſeltene Lehrſtücke ſich anpreiſen. Es mag dabei manches an ſich Sehenswürdige und wirklich Belehrende vorkommen. Aber es ſind doch immer nur Bruchſtücke; und werden dieſe dem Kinde, deſſen Bildung wir ſo gern in ſtetem und geord⸗ netem Fortgang erhalten möchten, gelegentlich, wie ſie der Zufall eben in die Stadt bringt, vor die Augen geſtellt und, kaum angeſehen, wieder hinweggenommen, ſo werden ſie eben nur als zuſammenhangloſe Bruchſtücke ſich anſetzen oder noch häufiger nur die Gaffluſt erregen, ohne irgendwie zu belehren. Ueberhaupt glaube man doch nicht, daß jeder an ſich bildende Gegenſtand, wie er eben vorkommt, nebenbei fördernd in den Bildungsgang des Kindes ſich einfügen laſſe.

Auch das Theater lockt die Jugend. Aber wir dürfen den Eindruck, den dieſe glänzende Breterwelt auf Kinder macht, nicht nach den abgeſtumpften Nerven Erwachſener bemeſſen. Die ganze Ueberfülle von Reizen, die ſich in der wirklichen Umgebung zerſtreut findet, ſtürmt hier mit einem Male, mit allem Glanz und Schimmer der Kunſt und Afterkunſt ausgeſtattet, auf die Seele des Kindes ein. Dem kräftigen Jüngling, wenn ſich vor ihm der Vorhang